Gott ist nicht angeklagt, sondern der Mensch

Die Attentate vom 11. September und vier Konsequenzen für Christen

von Ulrich Parzany, 26.9.2001


Ich habe den schrecklichen 11. September in den USA erlebt. Ich ziehe aus den Ereignissen folgende Konsequenzen für unser Verhalten als Christen:

1. Wir müssen mehr für die Regierungen beten. Viel Weisheit und Entschlossenheit sind nötig, um den Terrorismus einzudämmen. Es wird keine völlige Sicherheit geben. Es ist schon viel gewonnen, wenn nicht durch kopflose Panik oder rücksichtslose Verfolgung von Eigeninteressen die Spirale von Haß und Gewalt verheerender gedreht wird.

2. Wir müssen die Heiligkeit und Liebe Gottes klarer bezeugen. Viele fragen: Wie kann Gott das zulassen? Auf die anklagende Frage nach der Schuld am Tode von offensichtlich Unschuldigen, antwortet Jesus geradezu schroff: „Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt“ (Lukas 13,3.5). Gott sitzt nicht auf der Anklagebank, sondern der Mensch. „Irrt euch nicht! Gott läßt sich nicht verspotten. Was der Mensch sät, das wird er ernten“ (Galater 6,7).

Die Illusion vom guten Menschen zerbrach auf Golgatha

Der Glaube an das Gute im Menschen ist keine tragfähige Grundlage für unsere Lebens- und Weltgestaltung. Diese Illusion wurde nicht erst am 11. September zerstört. Sie zerbrach bereits in Auschwitz und schon früher: auf Golgatha. Dort vollzog Gott das Gericht über die Bosheit aller Menschen – ohne Ausnahme. Er tat es stellvertretend an dem einzigen Gerechten, an seinem Sohn Jesus. Wir sind den Menschen diese Wahrheit des Evangeliums schuldig. Reden wir nicht um den heißen Brei: Rettung aus unserer Verlorenheit in Zeit und Ewigkeit gibt es nur durch den gekreuzigten und auferstandenen Jesus.

3. Wir müssen ausdrücklich zur Bekehrung rufen. Wir müssen jetzt unmißverständlich verkündigen: Uns rettet nur die Bekehrung zu Gott. Bekehrung heißt Hinwendung zum lebendigen Gott, der sich in Jesus geoffenbart hat, und Abkehr von den Götzen. Götzen sind alle Mächte, bei denen wir Sicherheit und Anerkennung für uns suchen: Geld und Okkultismus vor allem. Die dazugehörenden Verhaltensweisen sind Selbstherrlichkeit, Habgier, sexuelle Gier, Haß, Verlogenheit, Gleichgültigkeit, Menschenverachtung. Wir können nicht an Gott glauben und einfach so weiterleben wie bisher.

Streiten um die Wahrheit!

Kirchen sind nicht dazu da, den Leuten nach dem Munde zu reden und dadurch die Gewissen der Menschen zu narkotisieren. Religion als Beruhigungsmittel – das ist tödliches Gift. Es muß geistige Auseinandersetzungen um die Wahrheitsfrage geben. Es ist Unsinn zu behaupten, daß alle im Grunde doch an denselben Gott glauben. Diese Auseinandersetzung zu führen, heißt, den Andersgläubigen Respekt zu bezeugen.

4. Wir müssen die öffentliche Geltung des Evangeliums vertreten. Hier in den USA ist in den letzten Tagen viel öffentlich von Gott geredet und gebetet worden. Ich höre, daß das auch in Deutschland so war. Ich hoffe, daß das nicht nur eine kurze Stimmung ist. Die Demokratie lebt von Voraussetzungen, die sie selber nicht schaffen kann. Kein Gesetz kann zur Achtung der Menschenwürde zwingen. Ohne Bindung an Gott, ohne Verantwortung vor Gott gibt es keine letztgültige Begründung für die Unantastbarkeit des Menschen von der Empfängnis bis zum Tode.

Wir rufen zum Glauben an Jesus, damit Menschen Gemeinschaft mit Gott finden und gerettet werden. Eine der wichtigsten Nebenwirkungen dieses Glaubens ist die Stärkung des ethischen Grundkonsenses in der demokratischen Gesellschaft. Wir helfen dadurch mit, daß unser Land nicht den Menschenverächtern zur Beute fällt.

© Ulrich Parzany

Quelle: IDEA-Spektrum Nr. 39, 26. September 2001, S. 3



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