Die Geschichte der Neuapostolischen Kirche, NAK

Kurzer geschichtlicher Abriss der Neuapostolischen Kirche (eine Sekte)




Derzeitige Größe der Sekte
Nach der Katholischen Kirche mit rund 27 Millionen Mitgliedern und der Evangelischen Landeskirche mit rund 26,5 Millionen liegt die Sekte der NAK mit ca. 380 Tausend Mitgliedern an 3. Stelle unter den christlichen Gemeinschaften Deutschlands (Schweiz 35.000; Österreich 5.000). Tendenz leicht sinkend. Ihre Mitglieder verteilen sich bundesweit auf 2.600 Gemeinden. Weltweit legt die NAK kräftig zu und liegt mittlerweile bei 11 Millionen Mitgliedern.

Die NAK hat keine theologischen Ausbildungsstätten, wobei die NAK heute nicht grundsätzlich gegen eine theologische Ausbildung ist.


Entstehungszeit
Die Neuapostolische Kirche ist zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus der Katholisch-apostolischen Gemeinde (bisweilen auch "Altapostolische" genannt) hervorgegangen.


Entstehungsorte:
In einigen Ländern Europas gab es einen Wunsch nach geistlicher Erweckung, der gleichzeitig mit Endzeiterwartung verbunden war. Vor allem in England, Schottland und Deutschland war der Nährboden für neue geistliche Bewegung vorhanden.


Entstehung der NAK in England
In den Jahren 1826 - 1930 kamen jeweils im Dezember 44 Männer aus verschiedenen Gemeinden jeweils für eine Woche in Albury (50km südwestlich von London) zusammen. Man traf sich auf dem Landgut eines Bankiers mit dem Namen Henry Drummond.

Bei diesen Treffen, den sogenannten "Prophetische Konferenzen", standen Gespräche über Weissagung, Prophetie und das Wiederkommen Jesu im Vordergrund. Es wurde auch für die Ausgießung des Heiligen Geistes und die Wiedererrichtung der neutestamentlicher Ämter gebetet. Vorrangig wurden dabei für die beiden des Apostels und des Propheten erbeten.


Was wurde bewirkt?
In einigen Orten Schottlands und Englands wurden dann auch Erfahrungen gemacht, die man als Prophetie, Glaubensheilung und Zungenrede deutete. Man meinte auch in Albury den Geist Gottes zu spüren. Daraufhin berief Henry Drummond am 31.Oktober 1832 in einem "Wort der Weissagung" den Londoner Rechtsanwalt John Bate Cardale zum Apostel. Drummond sprach: "Spende den Heiligen Geist! Bist du nicht ein Apostel?".


Weitere Entwicklung
In den nächsten drei Jahren kam es zu weiteren Berufungen, bis im Juni des Jahres 1835 12 Apostel benannt worden waren. Ein Jahr später wurde die Welt in 12 Arbeitsbereiche eingeteilt ("Stämme des geistlichen Israels") und jeder der "Apostel der Neuzeit" sein Gebiet übernahm.


Apostel in Deutschland
Süddeutschland und Österreich wurden als der Stamm "Ruben" bezeichnet und vom Londoner Juristen Franis Valentine Woodhouse (1805-1901) betreut.
Norddeutschland wurde zum Stamm "Simeon" und vom schottischen Rechtsanwalt Thomas Carlyne (1804-1855) übernommen.


Weitere Entwicklung
Bald wurde für die neue Bewegung der neue Name "Katholisch-Apostolische Gemeinde" angenommen. Bis dahin hatte man sich schlicht "Werk des Herrn" genannt. Das Albury-Park-Zentrum wurde zum Hauptsitz des "Apostelkollegiums".


Einführung der Versiegelung
Im Mai 1847 führte der Apostel Cardale mit Zustimmung des Kollegiums das Sakrament der "Versiegelung" ein. Damit sollte "die Kraft für das Heranwachsen zum Geistlichen Mannesalter, ein Anteil an der siebenfältigen Gnade des Heiligen Geistes und ein Angeld der kommenden Herrlichkeit" verliehen werden. Voraussetzungen für den Empfang waren die Taufe und ein Alter von 20 Jahren. Durch apostolisches Handauflegen mit Salbung von Salböl wurde die Versiegelung vollzogen.


Letzte Apostel der Neuzeit? Tod der Apostel
Die zwölf Apostel waren der Überzeugung, dass Jesus zu ihren Lebzeiten wiederkommen würde. Doch als 1855 drei Apostel starben, wurde diese Ansicht stark erschüttert. Zunächst war man der Meinung, dass man keinen Apostel nachberufen sollte, obwohl sich die Erwartung der baldigen Wiederkunft Jesu als Irrtum herausstellte.


Spannungen wegen neuer Apostelberufungen
Der "Prophet" der Berliner Gemeinde, Heinrich Geyer (1818-1896), war mit dem Verzicht auf eine Neuberufung nicht einverstanden. Während der "Prophetenkonferenz" im Mai 1860 in Albury berief er zwei Männer zu "Aposteln". Als "Prophet" hatte er ein Recht dazu, doch das restliche Kollegium weigerte sich, die diese Berufung anzuerkennen.


Machtkämpfe
Heinrich Geyer war wiederum mit dem Veto des Apostelkollegiums nicht einverstanden. Während einer Reise nach Königsberg ernannte er am 10.Oktober 1862 den dortigen Gemeindeältesten, Rudolf Rosochacky, zum weiteren Apostel.
Nach einer Zeit der Geheimhaltung wurde er der Hamburger Gemeinde und ihrem Leiter Friedrich W. Schwarz im Januar 1963 als "Apostel" vorgestellt. Dieser wurde sofort freudig akzeptiert.


Ausschlüsse
Als aus England Stimmen laut wurden, erkannte Rosochacky, dass seine Berufung nicht göttlich war. Er legte sein Amt am 17. Januar 1863 nieder. F.W.Schwarz und die Hamburger Gemeinde beharrten jedoch auf seiner Berufung und wurden aus der Kath.-Apostolischen Gemeinschaft ausgeschlossen. Heinrich Geyer wurde schon zwei Monate zuvor von seiner Gemeinde in Berlin exkommuniziert.


Spaltung und Gründung der Vorläuferin der NAK
Diese Entwicklung führte zur Gründung einer neuen Sekte, der Vorläuferin der heutigen NAK.


Weitere Spaltungen und Sonderwege
Im April 1863 berief Geyer "Priester" der Hamburger Gemeinde zu neuen Aposteln. Es waren Carl W.L. Preuß (1827-1878), der Apostel von Norddeutschland und Skandinavien werden sollte und F.W.Schwarz (1815-1895), Holland und Belgien zugesprochen bekam. Die ausgeschlossenen Hamburger und einige Berliner Mitglieder bildeten die "Allgemeine Christliche Apostolische Mission".


Abschaffung der Liturgien
Schwarz lernte in Holland die schlichte reformierte Kirchentradition kennen und schaffte Anfang der 70er Jahren die Liturgie, die Kerzen und alte Gewände der Kath.-Apostolischen Gemeinde in seinem Gebiet ab. 1885 folgten ihm die Gemeinden in Hamburg und Berlin in dieser Entscheidung.


Gedanken an das "höchste Apostelamt"
Die Apostel der "neuen Ordnung" wirkten einige Zeit weitgehend selbständig, wenn auch nach außen hin eine einheitliche Lehre erkennbar war. Diese Ordnung störte den Bahnmeister Friedrich Krebs (1832-1905), der Apostel im Bezirk Braunschweig war. Nachdem er seine Zuständigkeit auf Hamburg, Berlin und Bielefeld ausgedehnt hatte, unterbreitete er immer mehr den Gedanken an eine Aposteleinheit unter Leitung eines "höchsten Amtes".


Die "Geburt" des "Stammapostels"
1896 nahm Krebs den Titel des "Stammapostels" an und an Pfingsten 1897 liess er sich in Bielefeld von allen anderen Aposteln in seinem neuen Amt bestätigen. 1905 folgte ihm Hermann Niehaus (1848-1932) in diesem Amt, der sechs Gebiete mit 488 Gemeinden übernahm.


Neuer Name "Neuapostolische Kirche"
Da sich in verschiedenen Ländern die Gemeinden der neuen Ordnung unterschiedlich benannten, beschloss man 1907, die einheitliche Bezeichnung "Neuapostolische Gemeinde" einzuführen. 1930 folgte dann die Umbenennung in "Neuapostolische Kirche".


Stammapostel Bischoff (1930-1960)
1930 übernahm der »Apostel« Johann Gottfried Bischoff (1871-1960) das Amt des Stammapostels. Bischoff sorgte für zahlreiche Kontroversen und Abspaltungen innerhalb der NAK.

Hauptanlaß war seine sogenennte »Botschaft«, die er an Weihnachten 1951 in Gießen erstmals öffentlich machte. Dort sagte er unter anderem gesagt: »... Tag und Stunde, wann der Herr kommt, wissen wir nicht. Aber ich persönlich bin überzeugt, daß die Zubereitung des königlichen Priestertums in der Zeit erfolgt, in der ich noch vorhanden bin, ... Das Zeichen hierfür besteht darin, daß der Herr zu meiner Zeit in Erscheinung tritt und Abschluß seines Werkes macht. . . Ich bin der Letzte. Nach mir kommt keiner mehr. So steht es im Ratschluß unseres Gottes, so ist es festgelegt, und so wird es der Herr bestätigen« (Ereignisse, S.48).


Keine Wiederkunft Jesu!
In den folgenden Jahren wurde diese »Botschaft« immer wichtiger. Unter anderem wurden »Versiegelungen« und Berufungen in »Ämter« von der Annahme der »Botschaft« abhängig gemacht. Daraufhin verließen zahlreiche Gemeindeglieder und höchste Amtsträger (von NAK als »Zweifler, Rechthaber und Eigenbrötler« bezeichnet) die Gemeinschaft und gründeten z.T. neue Gruppen.

Am 6. Juli 1960 starb Bischoff in Frankfurt. Für den 2. August wurde deshalb eine Mitgliederversammlung des »Apostelkollegiums der Neuapostolischen Gemeinden Deutschlands e.V.« nach Frankfurt einberufen, an der 17 deutsche und ein französischer »Apostel« teilnahmen.


Stammapostel Schmidt (1960-1975)
Sie wählten »durch Zuruf« Walter Schmidt (1891-1981), den »Bezirksapostel« von Nordrhein-Westfalen zum neuen »Stammapostel«. Dieser wandte sich umgehend in einem Brief an die Mitglieder der Sekte, worin das "Unverständnis" darüber zum Ausdruck gebracht wurde, daß »Gott seinen Willen geändert« habe. Gleichzeitig erging die Aufforderung, die Vorgänge um J.G. Bischoff und seine »Botschaft« weder innerhalb noch außerhalb der Gemeinden zu diskutieren, woran sich die Neuapostolischen Gemeindemitglieder bis heute strikt gehalten haben.

Am 1. Januar 1961 verlegte Walter Schmidt den Hauptsitz der Sekte von Frankfurt nach Dortmund.


Stammapostel Streckeisen (1975-1978)
Die Krankheit von Walter Schmidt zwang ihn schließlich, im Februar 1975 in den Ruhestand zu gehen, nicht ohne vorher den Schweizer Ernst Streckeisen (1905-1978) zu seinem Nachfolger ernannt zu haben. Seither befindet sich das Stammapostelamt in Schweizer Hand; die Verwaltungszentrale wurde ebenfalls bald von Dortmund nach Zürich verlegt.


Stammapostel Urwyler (1978-1987)
Hans Urwyler (geb. 1925) amtierte von November 1978 bis Juli 1987, als er einen Schlaganfall erlitt.


Stammapostel Richard Fehr (1988-2005)
Von ihm übernahm Richard Fehr (geb. 1939) im Mai 1988 die Leitung der Sekte, die seit Juni 1977 offiziell als »Neuapostolische Kirche Internationaler Apostelbund« firmiert. Über 200 »Apostel« leiten mit ihrem »Stammapostel« die heutige NAK.


Stammapostel Wilhelm Leber (seit 2005)
Zu Pfingsten 2005 wurde Wilhelm Leber (geb. 1947) zum neuen Stammapostel gewählt. Er überraschte im Januar 2006 mit der Aussage, daß der Heilige Geist auch außerhalb seiner Kirche wirke.

Seit Jahren vollzieht sich ein vorsichtiger Öffnungskurs innerhalb der NAK. Gegenwärtig strebt sie danach, in die ACK (Arbeitskreis Christlicher Kirchen) aufgenommen zu werden.


Internetpräsenz
Neuapostolische Kirche International
Neuapostolische Kirche in Deutschland



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Ins Netz gesetzt am 10.06.2006; letzte Änderung: 29.12.2016

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