Paradiesvorstellungen im Islam - 72 Jungfrauen

Auf was hoffen die frommen Muslime im Jenseits?


1. Der Paradiesgarten
2. Wer darf ins Paradies hineingehen?
3. Wie sieht es im Paradies aus? (72 Jungfrauen)
4. Ein ausgesprochenes Männerparadies?
5. Welche Rolle spielt Allah im Paradies?
6. Die Heilsungewißheit im Islam


0. Einleitung

Der Koran und die islamische Tradition (z.B. die Ahadith von Sahih Muslim "The Book Giving Description of the Day of Judgement, Paradise and Hell") beschäftigen sich mit dem Lohn bzw. der Strafe im Jenseits. Der Ort der Glückseligkeit ist das Paradies. Es ist für die Gläubigen bestimmt und viele sinnliche Freuden warten dort auf den frommen Muslim.

Die Hölle dagegen ist der Ort der allergrößten Pein und Strafe. Das höllische Feuer ist 70 mal heißer als das irdische (Sahih al-Bukhari Hadith 4.54.487 ) Gegner des Islam, Scheinheilige oder Halbherzige werden vor den furchtbaren Qualen der Hölle gewarnt.

Juden und Christen werden eines Tages in der Hölle schmoren, weil sie neben Allah noch andere Götter verehrt haben: Die Juden haben Ezra, den Sohn Allahs verehrt und die Christan Jesus, den Sohn von Allah. (Al-Bukhari Hadit 6.60.105).

Bis heute halten Imame den jungen Selbstmordattentätern und gewaltbereiten Kämpfern des Islam die sinnlichen Paradiesfreuden vor Augen, damit korantreue Muslime ihr Leben für die Sache Allahs aufs Spiel setzen.



1. Der Paradies-Garten

Der arabische Begriff für Paradies im Koran ist 'janna' und bedeutet "Garten". Das verwandte türkische Wort 'cennet' steht auch für Paradies; es ist auch ein veraltetes Wort für Garten.

Das Paradies besteht aus mehreren Gärten (55,46ff.) und wird von Wärtern bewacht (39,73).

Schon vor dem Eintritt ins Paradies werden den Gläubigen Häuser oder Gemächer versprochen (39,20; 29,58).  Sie werden dort ewig leben und ewig vor dem Höllenfeuer verschont bleiben (44,56; vgl. 56,10-26; 43,68-73).

Das Paradies hat acht Tore. Eines davon heißt "Ar-Raiyan". Durch diese werden nur die eintreten, die das Fastengebot beachtet haben Sahih al-Bukhari Hadith 4.54.479 .

In den Traditionsschriften wird die unvorstellbare Größe des Paradieses bildhaft beschrieben (Sahih Muslim 40,6784):

    "Es gibt einen Baum, in dessen Schatten ein Reiter hundert Jahre lang dahinreiten kann, ohne je den äußeren Rand des Schattens zu erreichen".


2. Wer darf ins Paradies hinein?

Am Tag der Auferstehung oder des Gerichts dürfen diejenigen, die

    "umkehren und glauben und tun, was recht ist" (2,25),
    "die Gottesfürchtigen" (52,17),
    "gläubige Männer und Frauen, die von ihrem Licht geleitet" (57,12)

für ewig in das Paradies oder die "Gärten der Wonne" (56,26) eingehen.

Das Bild von der Waage spielt für die Beurteilung des menschlichen Lebens eine wichtige Rolle.

    "Wer (aufgrund seiner guten Werke) schwere Waagschalen hat" (101,6ff.)

dem wird in Aussicht gestellt, dem lodernden Feuer zu entgehen.

Der Gehorsam Allah und Mohammed gegenüber ist eine wichtige Voraussetzung zum Eingang ins Paradies.

    "Diejenigen, die Allah und dem Gesandten gehorchen, sind dereinst im Paradies zusammen mit den Propheten, den Wahrhaftigen, den Zeugen und den Rechtschaffenen, denen allen Allah höchste Gnade erwiesen hat. Welche gutes Gefährten!

Die wahren Gläubigen dürfen für ewig in das Paradies, in die "Gärten der Wonne" (56,12) oder in die "Gärten von Eden" (19,61) eingehen.

Bevor man in das Paradies emporgehoben wird, muß zuerst jeder Muslim unweigerlich in die Hölle geworfen werden. Durch Allahs Barmherzigkeit werden aber dann diejenigen, die gottesfürchtig waren, aus ihr errettet werden (19,71-72), die Frevler jedoch bleiben auf ihren Knien liegend in der Hölle zurück.

Sure 19,68-72

    68 Bei deinem Herrn! Wir werden die Menschen und die Satane dereinst zu uns versammeln. Hierauf werden wir sie rings um die Hölle auf den Knien liegend zum Gericht vorführen.
    69 Hierauf werden wir aus jeder Partei diejenigen herausziehen, die gegen den Barmherzigen am heftigsten aufbegehrt haben.
    70 Wir wissen dann sehr wohl Bescheid über die, die am ehesten verdienen, in der Hölle zu schmoren.
    71 Und es gibt keinen von euch, der nicht zu ihr hinunterkommen würde. Das ist für deinen Herrn entschieden und beschlossen.
    72 Hierauf erretten wir diejenigen, die in ihrem Erdenleben gottesfürchtig waren, während wir die Frevler auf den Knien liegend in ihr zurücklassen.

Gleichzeitig macht die Tradition deutlich, daß Allah ganz willkürlich darüber entscheiden wird, wen er ins Paradies eingehen lassen wird und wen nicht.

Es gibt nämlich niemals einen direkten Zusammenhang zwischen den guten Taten und dem Heil. Selbst der schlimmste Sünder, der sein ganzes Leben lang die Gesetze Allahs gebrochen hat, kann ins Paradies eingehen. Andererseits kann auch der Mann, der sein ganzes Leben lang nur Gutes getan hat,am Ende doch in die Hölle geworfen werden. Das belegen folgende Worte:

    »Hazrat Anas berichtet, daß der Prophet des Islam auf einem Pferd ritt und Maadh ihm folgte. Als der der Prophet dreimal wiederholte: "Wer ehrlich glaubt und wiederholt: "Es gibt nur einen Gott und Mohammed ist sein Prophet" wird nie dazu verdammt werden, in das Höllenfeuer geworfen zu werden", sagte Maadh: "O Prophet Allahs, soll ich denn dieses Botschaft nicht verkündigen?" Das antwortete der Prophet antwortete: "In diesem Fall würden sie an nichts anderes glauben als an das."« (Mishkat).

Wie entscheidend das rechte Glaubensbekenntnis für den Eingang ins Paradies ist, belegt folgende Überlieferung.

    »Es wird berichtet, dass Abu Dharr sagte: "Ich kam zum Propheten, und er hatte ein weißes Tuch über sich gelegt und schlief. Später kam ich zu ihm, nachdem er aufgewacht war. Dann sagte er: "Jeder Diener Allahs, der bekennt: "Es gibt keinen Gott außer Allah" und dann stirbt, wird aufgrund dieses Bekenntnisses in den Himmel kommen." Ich sagte: "Obwohl er Ehebruch begangen hat oder gestohlen hat?" Er antwortete: "Obwohl er Ehebruch begangen und gestohlen hat." Ich sagte: "Obwohl er Ehebruch begangen und gestohlen hat?" Er antwortete: "Obwohl er Ehebruch begangen und gestohlen hat und trotz des Abu Dharr."« (Muslim, Bukhari).

Allah ist also völlig frei in seinem Handeln. Er wirft in die Hölle, wen er will; und er läßt ins Paradies, wen er will.



3. Wie sieht es im Paradies aus? (72 Jungfrauen)

In den "Gärten von Eden" (19,61) liegen die Geretteten im Schatten, genießen Früchte (55,68) und Fleisch.

    "Es wird lebensfrohe Gesichter geben, die mit dem Eifer, den sie bei ihren guten Werken gezeigt haben, zufrieden sind und sich in einem hochgelegenen Garten befinden, in dem sie kein leeres Gerede hören, und in dem es eine ständig fließende Quelle gibt, und dick gepolsterte Ruhebetten, bereitgestellte Humpen, Kissen eines neben dem andern, und Teppiche, die da und dort auf dem Boden ausgelegt sind" (88,8-16).

Im Paradies fließen "Ströme von Wasser, Milch, Wein und Honig" (47,15) .

Die Gläubigen tragen schöne Gewänder aus Brokat und Seide (35,33) und sind mit Goldschmuck geschmückt (18,31; 76,21) Sie haben "Armringe aus Gold" und "sind mit Perlen geschmückt" (35,33)

Sure 56 schildert anschaulich das genüssliche Leben im Jenseits:

    "Auf golddurchwirkten Ruhebetten liegen die, die Gott nahe stehen, einander gegenüber, während ewig junge Knaben unter ihnen die Runde machen mit Humpen und Kannen voll Wein und einem Becher voll von Quellwasser, von dem sie weder Kopfweh bekommen noch betrunken werden und mit allerlei Früchten, was immer sie wünschen, und Fleisch von Geflügel, wonach sie Lust haben. Und großäugige Houris haben sie zu ihrer Verfügung, in ihrer Schönheit wohlverwahrten Perlen zu vergleichen" (56,15-23).

In diesen Zitaten wird deutlich, daß Allah eine Fülle an bestem Essen und Trinken für seine Gläubigen verspricht. Die Qualität der Schalen und Becher spielt dabei auch eine Rolle: Silber (76,15-16) bzw. Gold (43,71).

Neben dieser fürstlichen Bewirtung verheißt der Koran den rechtgläubigen Männern im Paradies wunderschöne Frauen. Es sind großäugige und vollbrüstigen "Houris", die ihnen als jungfräuliche Gattinnen zur Verfügung stehen werden (52,17-24).

Sure 52,17-24

    17 Die gottesfürchtigen dagegen befinden sich dereinst in Gärten und in einem Zustand der Wonne
    18 und erfreuen sich dessen, was ihr Herr ihnen gegeben hat. Und ihr Herr hat sie vor der Strafe des Höllenbrandes bewahrt.
    19 Zu ihnen wird gesagt: ,Eßt und trinkt und lasst es euch wohl bekommen! Ihr erhaltet dies alles zum Lohn für das, was ihr in eurem Erdenleben getan habt.'
    20 Sie liegen behaglich auf Ruhebetten, die in Reihen angeordnet sind. Und wir geben ihnen großäugige Huris als Gattinnen.
    21 Und mit denjenigen, die im Diesseits gläubig waren, und denen ihre Nachkommenschaft im Glauben gefolgt ist, vereinigen wir im Paradies diese ihre Nachkommenschaft wieder. Und wir schmälern ihnen nichts von ihren Werken. Jedermann haftet für das, was er in seinem Erdenleben begangen hat.
    22 Und wir versorgen sie reichlich mit köstlichen Früchten und Fleisch, allem möglichen wonach sie Lust haben.
    23 Sie greifen in Paradies einer um den andern nach einem Becher mit Wein, bei dem man weder betrunken wird und dummes Zeug daherredet noch sich versündigt.
    24 Und Burschen, die sie bedienen, so vollkommen an Gestalt als ob sie wohlverwahrte Perlen wären, machen unter ihnen die Runde.
    "Wir geben ihnen großäugige Houris als Gattinnen" (52,20).

    "Darinnen befinden sich auch, die Augen sittsam niedergeschlagen, weibliche Wesen, die vor ihnen weder Mensch noch Dschinn entjungfert hat." (55,56).

    "Sie sind so strahlend schön, wie wenn sie aus Hyazinth und Korallen wären" (55,57)

    "Houris, in den Zelten abgesperrt ... die vor ihnen weder Mensch noch Dschinn entjungfert hat." (55,72.74)

    "Die Gottesfürchtigen dagegen haben große Glück zu erwarten, Gärten und Weinstöcke, gleichaltrige Houris mit schwellenden Brüsten ..." (78,31-33)

"Houri" ist von dem arabischen Begriff "hûr" abgeleitet und bedeutet: "diejenigen, in deren Augen das Weiße und das Schwarze stark hervortreten" (Vermutung von Horovitz). Mit diesem Ausdruck wird auf die besondere Schönheit dieser Frauen hingewiesen.

Diese paradiesische Frauen werden keinen anderen Mann anblicken als ihren Gemahl und sie werden in ihren Zelten zurückgezogen leben.

In einem Hadith ist weiteres über die "Houris" zu lesen (Sahih al-Bukhari Hadith 4.54.476 vgl. auch Sahih Muslim, englische Übersetzung, Sahih Muslim Hadith Nr. 6793; Sahih Muslim Nr. 6795, Sahih Muslim Nr. 6797):

    "Im Paradies wird jeder zwei so wunderschöne Frauen haben, von so zarter Haut, daß sie wie durchscheinend sein wird, und kein Mann wird im Paradies ohne eine Frau sein."

Eine andere Überlieferung nennt 4 Frauen, die der Mann in seinem Paradieszelt haben wird ("Paradies" in Lexikon des Islam, S. 574ff).

    Abu Musa überliefert, der Prophet habe gesagt: "Wahrlich, im Paradies wird jeder Müslim ein Zelt besitzen, das aus einer einzigen ausgehöhlten Perle gemacht ist, die einen Durchmesser von 60 Kos hat; und in jeder Ecke dieses Zeltes befindet sich eine seiner Frauen, und sie können sich nicht gegenseitig sehen, und der Muslim liebt sie abwechselnd."

Nach der Überlieferung von Abu Sa'eed warten auf den Muslim im Paradies 72 Jungfrauen (Jami Tirmidhi [Online-Ausgabe] - 41-Book on Paradise, Chapter 23, Hadith 2571 - Blessings for the humblest in Paradise; "Paradies" in "Lexikon des Islam", Fourier Verlag, Wiesbaden 1995, S. 574ff; vgl. auch Caner / Caner: Das Islamhandbuch, R. Brockhaus, Wuppertal 2004, S. 169 - Hadith 4.2687; vgl. auch Mishkat 3. Kapitel):

    "Syyidina Abu Sa'eed Khudri überliefert, der Prophet habe gesagt: "Und noch der letzte im Paradies wird 80.000 Sklaven haben und 72 Frauen und wird ein Zelt besitzen, das aus Perlen, Rubinen und Smaragden gefertigt ist. Wer auf Erden jung oder alt gestorben ist, wird dreißig Jahre alt sein und nicht älter, wenn er das Paradies betritt."

Siebzig Mädchen sind eigens erschaffene und zwei sind menschliche Mädchen (Ibn Kathir [gest. 1373 n.Chr.], Korankommentar (Tafsir): Kommentar zur Sure 78,33 bzw. 55,72).

Daß es sich nicht um die Ehefrauen handelt, deuten verschiedene Aspekte an:

    "Wir haben sie regelrecht geschaffen und sie zu Jungfrauen gemacht ... heiß liebend und gleichaltrig" (56,35-37),
    "mit schwellenden Brüsten" (78,33),
    "Hyazinthen und Korallen vergleichbar" (55,58),
    "die vor ihnen weder Mensch noch Dschinn (Geister) entjungfert haben" (55,56).

Die Beschreibungen der "Houris" gelten als wörtlich zu nehmen, und die Beziehungen zwischen Männern und ihren "Houris" sind physischer Art, nicht nur geistiger, wie in dem folgende Hadith, welchen der Verfasser des Mishkat al-Masabih zeigt (Mischkat al-Masabih, arabisch-englische Übersetzung, Buch IV, Kapitel XLII, Paradies und Hölle, Hadith Nr. 2535; zitiert in Newton/Haqq, Frauen im Islam, S. 111):

    "Der heilige Prophet sagte: "Der Gläubige wird im Paradies solch eine Kraft empfangen für die geschlechtliche Vereinigung". Man fragte: "Oh Prophet Allahs! Kann er das tun?" Er antwortete: "Er wird die Kraft von hundert Männer empfangen.""

Ibn Kathar betont in seinem Kommentar die buchstäbliche, physische Natur des Geschlechtslebens im Paradies, dargestellt in einem anderen Hadith (sein Kommentar zur Koransure 56,35-37; zitiert in Newton/Haqq, Frauen im Islam, S. 112):

    "Man fragte den Propheten: "Werden wir im Paradies dieses geschlechtliche Freuden erleben?" Er antwortete: "Ja, bei dem, der meine Seele in seiner Hand hält, und es wird heftiger und aufregender Verkehr sein. Und hinterher wird sie wieder rein und jungfräulich werden, wie zuvor.""

Daß diese sinnlichen Paradieserwartung auch heute noch eine Rolle spielt, zeigt folgende Ansprache eines Mullah:

    "Oh, Brüder im Glauben, wir empfinden keinen Verlust. Der Märtyrer, wenn er Allah trifft, erreicht Vergebung mit dem ersten Tropfen Blut. Er wird errettet von den Qualen des Grabes und sieht seinen Platz im Paradies. Er wird vom großen Schrecken (dem Jüngsten Gericht) errettet. Er erhält 72 schwarzäugige Frauen, 70 seiner Familie kommen durch ihn in den Himmel, er wird gekrönt mit der Krone des Ruhmes, dessen Edelstein besser als die ganze Welt ist und besser als all das, was darinnen ist."

(Auszug aus der Predigt Sheich Isma'il Aal Ghadwan, die er in der Sheik 'Ijlin Moschee in Gaza hielt [Fernsehübertragung der palästinensischen Autonomiebehörde am 17.8.2001]. Die Übersetzung, die diesem Text zugrunde liegt, befindet sich auf www.memri.org.)

Im Paradies warten geistige Freuden auf den Gerechten: sie werden weder Geschwätz noch Lüge mehr hören (78,35); keine Anklage der Sünde wirde sie mehr beunruhigen, sondern sie werden nur noch rufen hören: »Heil! Heil!«. (19,62; 56,24-25)

Je nach ihren Verdiensten leben die Auserwählten in ihren Wohnungen näher oder weiter weg von Allah. Muqatil b. Sulaiman (gest. 767 n.chr) beschreibt die Wohnungen der Auserwählten:

    "Jedermann besitzt im Paradies einen Palast, in dem sich siebzig weitere Paläste befinden, jeder davon ausgestattet mit siebzig Wohnungen, gebaut aus hohlen Perlen. Die Länge jeder Perle und ihre Breite mißt 12.000 Ellen, und man betritt sie durch 4.000 goldene Portale. Im Inneren jeder Wohnung steht ein Diwan, reich geschmückt mit Bändern aus Perlen und Hyazinth, umgeben von 40.000 goldenen Sesseln mit Beinen aus Amethyst. Jeder Diwan ist bedeckt von siebzig Teppichen in vielfältigen Farben."

Es wird aber auch Pferde im Paradies geben und die Möglichkeit, einen Acker zu bestellen.

    Sayyidina Buraidah berichtet: "Ein Araber kam zum Propheten und sprach zu ihm: "0 Gesandter Allahs, ich liebe Pferde. Gibt es auch Pferde im Paradies?" Der Prophet enwiderte: "Wenn du ins Paradies aufgenommen wirst, wirst du ein Pferd aus Rubin erhalten, das zwei Flügel hat und dich überall hinbringt, wohin du möchtest." (Jami Tirmidhi [Online-Ausgabe] - 41-Book on Paradise, Chapter 11-About horses of Paradise, Hadith 2552)

    Abu Huraira sagt: "Der Prophet berichtete von einem Mann im Paradies, der den Herrn um Erlaubnis bittet, Land zu bebauen, worauf Allah spricht: "Hast du nicht alles, was du dir wünschen könntest? Wozu willst du noch Land bebauen?" Darauf antwortet der Mann: "Ja, alles ist vorhanden, aber ich liebe den Ackerbau." Daraufhin erhält er die Erlaubnis, Pflanzen anzubauen, und wenn er sät, dann wächst die Frucht schneller als ein Augenzwinkern." ("Paradies" - Lexikon des Islam)

Eine der Attraktionen des Paradieses ist der Fluß "Kauthar".

    Nach Anas hat der Prophet gesagt: "Es ist ein Fluß, den Gott mir im Paradies gegeben hat. Sein Wasser ist weißer als Milch und süßer als Honig, und auf seinem Wasser sind Vögel, die Hälse wie Kamele haben." ("Paradies" - Lexikon des Islam)


4. Ein ausgesprochenes 'Männerparadies'?

    "Allahs Segen für den Märtyrer ist sechsfach: ... 5) Er wird 72 Paradies-Frauen heiraten" ... (Jami Tirmidhi [Online-Ausgabe] 25-Book of Merits of Jhihad, Chapter 25, Hadith 1669 - Reward for the Martyr)

    "Man hörte den Propheten Mohammed sagen: 'Der kleinste Lohn für die Menschen im Paradies ist eine Wohnung mit 80.000 Sklaven und 72 Frauen, die von einer Kuppel gekrönt itst, die mit Perlen, Aquamarinen und Rubinen bestückt ist, und die so breit ist, daß sie von Jabiyyah (Damaskus) nach Sana'a (Jemen) reicht'." (Jami Tirmidhi [Online-Ausgabe] - 41-Book on Paradise, Chapter 23, Hadith 2571 - Blessings for the humblest in Paradise)

Aufgrund dieser und ähnlicher Paradies-Zitate bekommt der Leser den Eindruck, daß alle menschlichen Wünsche der Männer in Erfüllung gehen werden.

In wenigen Suren wird auch von muslimischen Frauen gesprochen, denen der Zugang zum Paradies in Aussicht gestellt wird.

Sure 16,97:

    "Und wenn einer tut, was recht ist, gleichviel ob männlich oder weiblich, und dabei gläubig ist, werden wir dereinst bestimmt zu einem guten Leben wiedererwecken."

Sure 33,35:

    "Was muslimische Männer und Frauen sind, Männer und Frauen, die gläubig, die Allah demütig ergeben, die wahrhaftig, die geduldig, die bescheiden sind, die Almosen geben, die fasten, die darauf achten, daß ihre Scham bedeckt ist und die Allahs ohne Unterlaß gedenken, - für sie alle hat Allah Vergebung und gewaltigen Lohn bereit."

Sure 57,12:

    "Am Tag des Gerichts, da du siehst, wie den gläubigen Männern und Frauen ihr Licht vor ihnen und ihre Rechten dahineilt und ihnen zugerufen wird: Euch wird heute frohe Botschaft zuteil: Gärten, in deren Niederungen Bäche fließen, und in denen ihr ewig weilen werdet! Das ist das große Glück!"

In Sure 43,70 werden Männer geradezu aufgefordert, "geht mit euren Gattinnen ins Paradies ein und ergötzt euch darin".

Auch ihre frommen Nachkommen (Kinder) werden mit dem Paradies belohnt werden (13,23; 40,8).

Josef Horovitz sieht eine geschichtliche Entwicklung:

    In der Frühzeit des Islam betonte Mohammed stärker die materiellen Genüsse des Paradieses – vielleicht in Anlehnung an die Schilderungen arabischer Dichter. Zu dieser Zeit machte er über den Verbleib der gläubigen Frauen noch keine Angaben. In späteren Paradiesschilderungen sprach Mohammed von Frauen und Kindern im Paradies und ließ die rein materiellen Genüsse etwas in den Hintergrund treten.

Diese Aussagen stehen in Spannung zu anderen Überlieferungen, denen zufolge die meisten Frauen in der Hölle landen werden.

Aus al-Bukharis Feder stammen folgende Worte von Mohammed (Sahih al-Bukhari Hadith 1.6.301; zitiert in Newton/Haqq, Frauen im Islam, S. 126):

    "Oh ihr Frauen! Gebt fleißig Almosen, denn untern den Bewohnern des Höllenfeuers erblickte ich in der Mehrzahl euch (ihr Frauen)." l>

    Und Sahih Muslim schrieb (Sahih Muslim 36,6600):

      "Bei den Bewohnern des Paradieses bilden die Frauen die Minderheit."


5. Welche Rolle spielt Allah im Paradies?

Zum Paradies gehören auch die Nähe und "das Wohlgefallen Allahs", was der Koran selbst als höher bewertet als alle materiellen Genüsse (3,15; 9,72). Doch solche Zitate muss man neben allen anderen Aussagen fast mit der Lupe suchen.

Daß die Gläubigen Allah sehen werden, könnte in Sure 75,22-23 vermutet werden: "es wird strahlende Gesichter geben, die auf ihren Herrn schauen". Die Theologen sind unterschiedlicher Ansicht, ob damit tatsächlich das Anschauen Allahs gemeint ist oder nur bildlich das Erkennen Allahs.

Ein Hadith (Sahih al-Bukhari Hadith 1.12.770 und Muslim) besagt:

    "Der Prophet sagte: 'Am Tag der Auferstehung werdet ihr euren Herrn genauso sehen' (wie ihr den Vollmond sehen könnt)".

Unumstritten ist, daß sich Allah auf irgendeine Weise den Gläubigen zu erkennen geben wird.

In Traditionsschriften wird deutlicher davon gesprochen:

    "Wünscht ihr euch, daß ich euch noch mehr gebe? Da zieht er den Vorhang weg. Siehe, ihnen ist nichts geschenkt worden, was ihnen lieber wäre als das Hinschauen zu ihrem Herrn" (Muslim).

Oder:

    "Der Herr erscheint über ihnen von oben. Er sagt: 'Friede sei über euch, ihr Leute des Paradieses!' Er schaut zu ihnen, und sie schauen zu ihm ... bis er ihnen verhüllt wird" (Ibn Madja).

Offenbar wird sich Allah auch im Jenseits willkürlich verhalten und selbst bestimmen, wem er sich zeigen wird und für wie viele Augenblicke.



6. Die Heilsungewißheit in Islam

Kann ein frommer und gottesfürchtiger Muslim mit Gewißheit sagen, daß er am Ende seines Lebens in das Paradies eingehen wird? Nein, das kann er nicht. Denn selbst von Mohammed ist nicht mit letzter Gewißheit zu sagen, daß er das Paradies erlangt habe.

"Allahs Friede sein mit ihm" das wünscht jeder Muslim dem Propheten, wenn Mohammeds Name genannt wird. In anderen Worten: "Allah möge Mohammed Heil und Frieden schenken" – denn ob Mohammed "Heil und Frieden" erlangen wird, das steht allein in Allahs Hand.

Mohammed wurde von intensiven Zweifeln an seiner Erlösung geplagt. Im Hadith (Sahih al-Bukhari 5.58.266) gibt Mohammed dies gegenüber einer Frau, die den Tod eines lieben Menschen betrauert zu. Als sie sagt, daß der Verstorbene bestimmt im Paradies ist, rügt sie Mohammed:

    »"Woher weißt du, daß Allah ihn angenommen hat?" ich erwidert: "Ich weiß es nicht. Mögen mein Vater und meine Mutter dür dich geopfert werden, o Gesandter Allahs! Aber wer ist würdig, wenn nicht Uthman?ß" Er sprach: "Was ihn betrifft, bei Allah, der Tod hat ihn ereilt, und ich hoffe das Beste für ihn. Bei Allah, obwohl ich der Gesandte Allahs bin, weiß ich doch nicht, was Allah mir tun wird."

Die Heilsungewißheit im Islam ist eng mit dem Gottesverständnis eng verknüpft. Die Allmacht und die unumschränkte Entscheidungs- und Handlungsgewalt Allahs machen es unmöglich, daß sein Handeln - und auch seine Entscheidungen im Jüngsten Gericht - für den Menschen vorhersagbar wären.

Niemand kann mit Gewißheit sagen, ob Allahs Barmherzigkeit, Güte und Gnade, von der der Koran fortwährend spricht, beim Einzelnen auch tatsächlich zur Anwendung kommen. Darüber wird der Mensch erst nach seinem Tod die letzte Gewißheit erlangen können, vorher nicht.

Allahs Verhalten ist niemals vorhersagbar, sonst würde er sich ja auf eine menschliche Ebene begeben und in menschliche Vorstellungen hineinpressen lassen.

Und nicht zuletzt ist Allah, wie der Koran ihn beschreibt, auch ein listiger Gott: Er schmiedet die besten Ränke und ersinnt Listen: "Allah ist voller Tücke" (13,13).

Die Ungläubigen "schmieden Ränke. Aber auch Allah schmiedet Ränke. Er kann es "am besten" (8,30). Allahs Handeln entzieht sich also menschlicher Erkenntnis, und niemand hat je das Wesen dieses listenreichen Gottes erfaßt. Niemand kann ihm mit seinen schlechten Taten etwas Böses zufügen, und niemand kann mit seinen guten Taten an ihn heranreichen, denn Gott ist im Islam absolut transzendent und von der Schöpfung getrennt: "O ihr Menschen! Ihr seid es, die arm und auf Allah angewiesen sind. Allah aber ist es, der auf niemand angewiesen und des Lobes würdig ist" (35,15).

Laut islamischer Tradition werden im Zukünftigen Gericht von 1000 Menschen 999 in die Hölle geworfen werden. Allerdings wird unter denn 999 Menschen aus Gog und Magog nur einer ein Muslim sein. Mohammed hoffte zugleich, daß unter den Paradiesbewohnern mindestens die Hälfte Muslime sein würden (Sahih al-Bukhari Hadith 6.60.265)



Quellen - Literatur:

    Christiane Schirrmacher: Islam Band 1 (Das Jenseits im Islam ab S. 188), Filderstadt: Hänssler-Verlag, 1994

    P. Newton, M. Rafiqul Haqq: Ist Allah Gott? Frauen im Islam, Toleranz im Islam, Stephanus Edition, 1997, 2. Auflage

    Emmanuel Kellerhals: Der Islam - Seine Geschichte - Seine Lehre - Sein Wesen, Basel: Basler Missionsbuchhandlung, 1945

    Thomas Patrick Hughes: Lexikon des Islam, Fourier, Wiesbaden 1995

    Der Koran, Übersetzung von Rudi Paret, Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer, 1979


Quellen - Internet:

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Ins Netz gesetzt am 25.02.2002; letzte Änderung: 01.11.2011

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