Wir wissen wenig über die arabische Halbwelt unmittelbar vor dem Aufkommen des Islam.
Im 7. Jh. beherrschten zwei Großmächte die umgebende Region.
Im Norden herrschte das christliche Byzanz - Hauptstadt Konstantinopel.
Im Nordosten lag das zoroastrische Sassanidenreich - Zentrum Ktesiphon.
Die beiden Reiche standen in ständigem Konflikt miteinander.
Sie hatten wenig Einfluß auf die arabische Halbinsel.
Geographie und Wirtschaft
Die arabische Halbinsel war kaum bevölkerte.
Es gab keine großen Flüsse und Seen.
Im Zentrum dominierte die Sandwüste.
Berge säumten das Rote Meer.
Der südliche fruchtbare Jemen war kultiviert.
Man lebte vom Handeln, von der Weidewirtschaft und vom Ackerbau.
Es gab einen Austausch zwischen den nomadischen und halbnomadischen Stämmen im Norden und den eher seßhaften Stämmen im Süden.
Mekka war eine wohlhabende Handelsstadt.
Die Städte entlang des Handelsroute Aden - Mittelmeer - Fruchtbarer Halbmond genossen vermutlich blühende Wirtschaft.
Die Stämme
Die Gesellschaft war in verschiedene
große Stämme,
kleinere Klans
und Großfamilien organisiert.
Die "Ehre des Stammes" und die "Blutrache" spielten eine zentrale Rolle.
Diese Verhältnisse fand man auch in den Städten vor.
In Mekka lebte ein einziger Stamm, die Kuraischiten; aus diesem stammte Mohammed.
Die einzelnen Nomadenstämme lebten in ständigem Kampf gegeneinander.
Die Religionen
Im Süden gab es polyteistische, tempelorientierte Religion.
Einzelne Stämme verehrten verschiedene Götter und Göttinnen.
Der Klan und Familien verehrten zahlreiche untergeordnete Gottheiten und Geister.
Die Stammesgottheiten wurden durch Steine, Bäume und Skulpturen repräsentiert.
Man pflegte den Steinfetischismus:
Man glaubte, Geister wohnten in auffällig geformten Steinen.
Ein wichtiges Ritual war das Umkreisen des Steines, um dessen Kraft zu bannen;
ferner das Betasten und Küssen des Steines, um von dessen Kraft zu empfangen.
Man kannte auch den Sternenkult: Man verehrte Al ŽUzzah, eine Tochter des arabischen Hochgottes Allah.
Man kannte auch heilige Stätten.
Eines der wichtigsten Pilgerziele und Orte der Anbetung war Mekka mit der Kaaba. Der große und wohlhabende Stamm der Kuraischiten hatte die Kontrolle über die heiligen Stätten und zog Nutzen von den Einkünften.
Die Kaaba:
Sie ist ein würfelförmiges Bauwerk.
Sie beherbergte den "Schwarzen Stein" und
mehr als 360 Gottheiten.
In ihr stand auch das hölzerne Idol Hubal = Allah = Herr der Kaaba
Jährlich wurde eine Pilgerreise nach Mekka anberaumt, die man Hadsch nannte.
Die Pilgerreise führte auch in das nahegelegene Arafa. Hier warf jeder Pilger Steine gegen einen Obelisken, der Satan versinnbildlichte.
In Minnah brachte man Schlachtopfer. Dort wurde auch der Pilger geschoren.
Die Beduinenreligionen waren ferner geprägt von verschiedenen Lokalgöttern und Hauptgöttern.
Der höchste Gott hieß: al-Ilah (= der Gott) = "Herr der Kaaba"
Mohammeds Vater hieß: Abd-Allah (Knecht Allahs)
Sein Onkel hieß: Obeid-Allah
Dieser Allah war schon vor Mohammed das höchste Wesen, dem alle übrigen Götter untertan waren. Allah war ein sogenannter Hochgott.
Allah war ein persönlicher, unsichtbarer und allgegenwärtiger Gott
"Ilah": ist vielleicht verwandt mit dem hebräischen "Elohim" (Plural von "Elohe")
Drei mekkanische weibliche Gottheiten Manat (Schicksal), al-Late (die Göttin) und al-ŽUzzah (die Starke) galten als Töchter Allahs (als solche hat sie Mohammed zuerst gelten lassen [Sure 53,19-23])
Das Judentum
Es gab viele jüdische Kolonien in Arabien.
In Medina war drei Stämme ansässig.
Die Juden hielten an ihrem Monotheismus und ihrer Auserwählung fest.
Ob den Juden der soeben abgeschlossene Talmud zugänglich war, ist zweifelhaft.
Die Juden verfügten über eine Menge Legenden über ihren Glauben
Das Christentum
Auf der arabischen Halbinsel gab es christliche Gruppen aber keine christliche Gemeinden.
Die christlichen Gruppen wurden von der römischen und byzantinischen Kirchen als Ketzer angesehen.
Ihr biblische Wissen war sehr lückenhaft und sie vertraten häretische Ansichten.
Die Sekten bedienten sich der apokryphen Schriften(= weder inspiriert noch apostolisch).
Es mag bezweifelt werden, ob Mohammed jemals echtes Christentum kennengelernt hat.
Bibel lag nur in einer griechischen und in einer syrischen Übersetzung vor jedoch noch nicht in der arabischen Sprache. Die Kirchensprache war syrisch.
Mohammed hat die Bibel daher nur aus Erzählungen kennengelernt. So finden sich viele Dinge im Koran. Vieles ist indes entstellt und manche Verwechslungen liegen vor.
Laut Tradition: Ein christlicher Mönch weissagte dem zwölfjährigen Mohammed eine große Zukunft.
Die Hanifen
Es gab einzelne Männer, die den Götzendienst ablehnten: die Hanifen
Sie verehrten nur einen Gott und versuchten den Glauben Abrahams, ihres Vorfahren, zu praktizieren.
6 Hanifen sind auch alten islamischen Manuskripten bekannt.
Einer von ihnen hat einen deutlichen Einfluß auf Mohammed ausgeübt.
Mohammed
Als Mohammed den neuen Glauben an den einen Gott verkündete, baute er auf einem schon vorhandenen Fundament auf.
Er übernahm auch viele religiöse Gebräuche seiner Zeit.
Mohammed schloß etliche Elemente mit geringen oder gar keinen Veränderungen in den Islam ein.
Beispiele:
Glaube an Geister (Dschinnen)
der Kaaba-Kult
die Wallfahrt
Auch aus dem Christentum und Judentum hat Mohammed vieles in den Koran übernommen. Viele ist jedoch entstellt und Verwechslungen liegen vor:
So wird Mirjam, die Schwester des Mose und Tochter des Amram, mit Maria, der Mutter Jesu verwechselt (Sure 66,12 - Paret).
Eine Episode aus dem Leben Gideons wird dem König Saul zugeordnet (Sure 2,249- Paret).
Vermutlich verfließt die Vision des Petrus von Apostelgeschichte 10 mit einer Schilderung von einem vom Himmel herabkommenden Tisch bei der Einsetzung des christlichen Abendmahles (Sure 5,112-115).
Quellen
Literatur:
Benedikt Peters, Der 11. September, der Islam und das Christentum, Bielefeld: CLV, 2002,
Christiane Schirrmacher, Islam Band 1, Filderstadt: Hänssler-Verlag, 1994
Gerhard Nehls, Was Christen über Moslems wissen sollten, Filderstadt: Hänssler-Verlag, 1984
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Ins Netz gesetzt am 4.04.2002; letzte Änderung: 12.06.2003