Ehepflege - Treuetest für die Ehe


Joachim Deschner [ 1 ]

Wenn wir fragen, wie sieht es mit der Treue in den Ehen aus, dann muss man in unserer Zeit antworten, nicht gut. Über 50 % der Ehen in unserem Land werden geschieden. In unseren christlichen Gemeinden ist es sicher besser um die Treue bestellt. Leider sind aber auch Ehen von Gläubigen immer mehr bedroht. Der Umwelt können auch wir uns nicht entziehen. Einflüsse von außen prägen an einigen Stellen auch das Denken der Ehepartner innerhalb der Gemeinde. Dabei ist der negative Einfluss der Medien besonders hervorzuheben. Scheinbar bestimmen sie in unserem Land was richtig und falsch ist. Dazu kommt dann noch die Meinung der Mehrheit. "Was die Meisten tun, kann doch nicht verkehrt sein?"

Bevor es nun zur Untreue in einer Ehe kommt, unter der wir in aller Regel den Ausbruch aus der Ehe verstehen, gibt es einen Weg dahin. Dieser Beitrag soll Fragen behandeln, die Ursachen von Beziehungskrisen aufzeigen. Wenn man sich diesen Fragen in der Ehe nicht stellt, dann kann es am Ende zum Treuebruch kommen. Dabei möchte ich versuchen auch Anworten aus der Bibel zu geben, um zu zeigen, wie man geistlich mit diesen Fragen umgehen kann.


1. Unsere Ehen brauchen ein klares Konzept, nach dem man lebt

Keiner wird bestreiten, dass ein ausgezeichnetes Konzept, eine gute Grundlage für Erfolg ist. Dies gilt auch für die Ehe. Leider wurde das Konzept Gottes, auch in den Gemeinden, nicht immer so umgesetzt, wie Gott es sich vorgestellt hat. Man hat die Unterordnung der Frau überbetont und die Liebe des Mannes kaum erwähnt. Nur wenn beides gelebt wird, kann Gottes Konzept richtig greifen. Dabei ist es auch wichtig Epheser 5, 21 zu bedenken, wo Paulus von der gegenseitigen Unterordnung schreibt und damit deutlich macht, das Machtansprüche in einer Ehe nichts zu suchen haben. Wer nach diesem Konzept (Epheser 5, 21 - 33) lebt, wird feststellen, dass es sich damit gut lebt.


2. Die Verhaltensweisen und Eigenschaften der Ehepartner

Bei einer Umfrage unter Geschiedenen wurde nach den Gründen für das Scheitern Ihrer Ehe gefragt. Dabei standen an erster Stelle mit 41 % die Verhaltensweisen und Eigenschaften der Ehepartner und an zweiter Stelle mit 27 % die Beziehungsprobleme. Dabei bin ich der Überzeugung, das diese zum großen Teil wiederum aus dem Ersten resultieren. Drei Bereiche sind wesentlich verantwortlich für unser Verhalten und unsere Eigenschaften.


a. Männer und Frauen sind einfach anders

Diese Tatsache, die wir von den ersten Sätzen der Bibel her wissen, machen wir uns als Ehepaare oft nicht genug bewusst. Statt uns an den Unterschieden zu erfreuen und die Ergänzung zu schätzen, reiben wir uns daran. Wir möchten gern, dass der andere unseren Vorstellungen entspricht. In vielen Büchern wurde diese Tatsache in den letzten Jahren wieder ins Bewusstsein gerufen. Eine Frau sagte uns nach einem Gespräch:" Ich habe erkannt, dass mein Mann anders sein darf". Lassen wir uns einander in unserer Andersartigkeit stehen und lernen wir sie zu schätzen. Tun wir dies nicht, dann kann unsere Beziehung Schaden leiden.


b. Wir sind unterschiedlich veranlagt

Diese Unterschiede sind oft durch unser Temperament bestimmt. Da gibt es die, die manchmal wie ein Vulkan ausbrechen. Dann gibt es die, die das Leben von der heiteren und leichten Seite sehen, aber auch die, die alles sehr schwer nehmen und nur schwarz wahrnehmen. Und dann gibt es noch die Gruppe der ganz ruhigen und langsamen Menschen. Wenn man sich findet für eine Partnerschaft, findet man den größten Gefallen oft am größten Gegensatz. Ist man dann einige Jahre verheiratet, dann werden die Gegensätze zum Problem. Es ist eine Illusion, wenn man glaubt, der andere würde sich in der Ehe grundlegend verändern. Nein, dies bleibt oft ein schöner Wunsch oder gar Traum. Kleine Veränderungen sollte es schon geben, aber das Grundtemperament bleibt erhalten. Veränderungen sollte es besonders bei den Verhaltensweisen und Eigenschaften geben, mit denen wir uns schuldig machen am Ehepartner (z. B. Wutausbrüche und perfektionistische Ansprüche). Keiner hat das Recht negatives oder schuld-haftes Verhalten mit seinem Temperament zu rechtfertigen.

Paulus sagt uns wie wir mit den Unterschieden des Partners umgehen sollen. In Römer 15, 7 sagt er: "Nehmt einander an" und in Kolosser 3, 13 fügt er noch hinzu: "Ertragt einander". Dies ist zwar keine leichte Herausforderung, aber der einzig wirklich gangbare Weg damit umzugehen. Weiterhin müssen wir sehen, dass die Unterschiede nicht unsere Ideen sind, sondern Gottes. Und Gott hat sich dabei etwas gedacht und will, dass sie uns zu unserem Besten dienen. Dies sollten wir dabei immer bedenken. Wir arm wären wir in unseren Ehen, wenn wir gleich wären.

c. Wir bringen alle eine Vergangenheit mit in unsere Ehe

Diese Prägungen aus meiner Herkunftsfamilie können ganz neutral sein und führen dennoch zu Unterschieden in unserem Verhalten. Hier gilt es gute Kompromisse einzugehen und als Ehepaar seinen eigenen Weg zu finden. Freuen darf man sich, wenn man viele positive Prägungen aus dem Elternhaus mitbekommen hat. Diese können auch die Ehebeziehung sehr bereichern. Doch negative Prägungen, bis hin zu Verletzungen durch das Elternhaus, werden oft zu schweren Hindernissen in einer Ehe. Hier ist auch in einigen Fällen seelsorgerliche Hilfe nötig. Diese sollte gesucht werden, damit die Ehe daran nicht zerbricht. Hierzu hat uns Petrus in seinen ersten Brief 1, 18 einen guten Hinweis gegeben. Er macht uns dort deutlich, dass Jesus auch dafür sein Leben gab, damit wir frei werden von negativen Prägungen unserer Vorfahren. Diese Lösung gilt es in Anspruch zu nehmen. Dies ist in vielen Fällen nicht ein einmaliger Akt, sondern ein längerer Prozess.

3. Viele Ehen leiden unter einem Mangel an Kommunikation

Mehrheitlich leiden eher die Frauen. Gerade im Bereich der Kommunikation kommt der Unterschied von Mann und Frau sehr zum Tragen. Die Männer reden viel weniger als die Frauen. Frauen brauchen einfach das Gespräch, denn für sie ist eine gute Ehe ohne viel Gespräch nicht denkbar. Für sie ist Gespräch und Beziehung nicht zu trennen. Männer reden gern über Sachen aber nur ungern über Beziehungsfragen. Bei der Kommunikation ist es besonders wichtig, dass man eine gute Atmosphäre schafft, in der man sich dann auch gern äußert. Dazu gehört, dass man beides gut kann zuhören (schweigen) und reden. Es ist auch ganz wichtig, dass man den anderen mit seiner Meinung oder Sichtweise stehen lässt und nicht verachtet. Kommunikation darf nicht zum Machtkampf ausarten, "wer hat recht". So würde man die besten Voraussetzungen dafür schaffen, dass es bald keine Kommunikation mehr gibt.

Der Prediger sagt uns in 3, 7 : Das Reden und das Schweigen hat seine Zeit. Es ist wichtig beides richtig zu beherrschen und in der Beziehung einzusetzen. Wer Sprüche 15, 1 auslebt wird die Macht freundlicher ermutigender Worte erleben.

4. Unerfüllte sexuelle Bedürfnisse können zum Problem werden

Nur wer seine Erwartungen ausspricht, kann sie auch erfüllt bekommen, besonders in diesem Bereich. Wer dies nicht tut muss ständig mit Enttäuschungen leben. Jesus sagt uns in Matthäus 7, 12 wie wir mit Erwartungen umgehen sollen. Gott hat uns ein so wunderbares Geschenk gemacht. Leider schaffen es viele nicht es richtig zu genießen. Um dahin zu kommen, gilt es falsche Hemmungen abzubauen und eine erfüllte - von Gott gewollte - Sexualität einzuüben. Dazu ist es unabdingbar, dass man sich an Hand von guter Literatur informiert. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass nur über den Weg guter Informationen eine harmonische sexuelle Beziehung möglich ist. Diese Beziehung kann die Ehe sehr bereichern, aber das Fehlen kann zu einer großen Gefahr für die Ehe werden. Nicht umsonst sagt uns Paulus in seinem Abschnitt in 1. Korinther 7, 1 - 5, dass sexuelle Enthaltsamkeit eine Angriffspunkt des Satans in den Ehen darstellt. Er macht auch deutlich, dass eine gute sexuelle Beziehung ein Schutz vor Unzucht (Vers 2) für die Partner sein kann. Und er sagt in Vers 3, dass es eine gegenseitige Pflicht auf diesem Gebiet gibt. Weiter weist er uns in Vers 5 darauf hin, dass es keinen einseitigen und grundlosen Entzug der Partner geben darf.


5. Wir werden schuldig aneinander und brauchen Vergebung

Ob wir es wollen oder nicht, wir machen uns bewusst oder unbewusst schuldig aneinander. Diese Schuld kann gering oder auch groß, z.B. Ehebruch, sein. Auch wenn meine Behauptung, die ich jetzt weitergeben möchte sehr schwer erscheint, sie stimmt dennoch. Für Christen gibt es beim Umgang mit Schuld nur einen Weg und dieser heißt Vergebung. Gottes Wort ist voll von Anweisungen in dieser Beziehung. Nicht umsonst setzt Paulus seiner Aufforderung einander zu ertragen in Kolosser 3, 13 noch hinzu: Vergebt einander, wenn einer Klage gegen den anderen hat, wie auch Christus euch vergeben hat. Auf vielen Gebieten werden wir darauf hingewiesen unser Verhalten am Verhalten Jesu zu orientieren. Mit dem Sprichwort: "Wie du mir so ich dir" kommen wir nicht weit. Unser Motto muss lauten: "Wie Christus mir so ich dir".


6. Kritik darf nicht zur Verachtung werden

Achten wir auf unseren Umgang mit Kritik in unseren Ehebeziehungen. Wenn wir es zulassen, dass aus Kritik Verachtung wird ist der Weg nach unten vorprogrammiert. Wir leben als gleichwertige Partner in einer Ehe und nicht dazu, um uns gegenseitig zu erziehen. Hierzu haben wir kein Recht und es steht nicht in unserer Macht den Partner zu verändern. Wir dürfen uns vom Partner Veränderung wünschen, aber dürfen ihn nicht dazu zwingen. Liebe und Zwang oder Druck schließen einander aus. Wenn wir uns zum Richter über den anderen aufspielen, dann wird der Angeklagte Ausreißversuche unternehmen. Es gibt viele Fluchtmöglichkeiten aus Ehebeziehungen. Jesus sagt uns in Matthäus 7,1 : Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Und Paulus sagt uns, dass wir uns nicht mit Verachtung begegnen sollen, sondern in Ehrerbietung soll einer dem anderen vorangehen (Römer 12, 10). Deshalb lasst uns sparsam mit Kritik umgehen.


7. Langeweile tötet die Ehebeziehung

Vielleicht haben Sie alle schon einmal den Satz gehört "Wir lieben uns nicht mehr" oder "Wir haben uns auseinandergelebt". Was ist hier passiert? Die Liebe ist erkaltet. Man hat vergessen das Feuer der Liebe am Brennen zu erhalten. Ein Stück Holz für dieses Liebesfeuer kann ein Abend pro Woche zu zweit sein, um seine Ehebeziehung zu pflegen, oder sich etwas Gutes zu tun. Was das Gute ist, sollten wir aus unserer Freundschafts- und Verlobungszeit noch kennen. Man braucht es nur wieder aufleben zu lassen. Auch ab und zu ein Kurzurlaub zu zweit ist ein gutes Holzstück für das Liebesfeuer. Dabei hat man dann auch Zeit über mache Fragen in Ruhe nachzudenken und zu reden, die man schon immer einmal bereden wollte. Hier kann man auch Wünsche und Bedürfnisse besser austauschen, als im sogenannten Ehealltag oder Familienstress. Nehmen wir einmal eine Familienauszeit zum Besten für unsere Ehe.

Zu diesem Thema lohnt es sich einmal Offenbarung 2, 4+5 zu lesen und auf die Ehe zu beziehen. Diese Aussage trifft auch auf Ehen zu.

Dieser Beitrag sollte einige mögliche Ursachen aufzeigen, die das Treueversprechen von Eheleuten gefährden können. Wer nun beim Test sich bei einem Problem wiederfindet, muss weiter daran arbeiten. Leider konnten die Fragen nur kurz angerissen werden. Dieses Thema ist Inhalt eines unserer Eheseminare. Diese Eheseminare bieten wir allen Gemeinden an.


[ 1 ] Der Autor, Joachim Deschner ist Eheberater und leitet die Arbeit "Hoffnung für Familien".


Buchempfehlungen:

P.Benny Wilson: Ich? Mich unterordnen?, Editions Trobisch

Bill & Pam Farrel: Männer sind wie Waffeln - Frauen sind wie Spaghetti,

Ed & Gaye Wheat: Hautnah, Schulte & Gerth


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Copyright (C) 2003 by Joachim Deschner
Alle Rechte vorbehalten. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung.
Dieser Artikel erschien zuerst in der Zeitschrift PERSPEKTIVE Email: perspektive@christ-online.de
Dieses Papier ist ausschließlich für den persönlichen Gebrauch bestimmt.
URL: http://www.efg-hohenstaufenstr.de/downloads/texte/ehepflege.html
Ins Netz gesetzt am 16.02.2005; letzte Änderung: 30.05.2013

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