"Ad Petri Cathedram"

Enzyklika von Johannes XXIII. über die Förderung der Wahrheit, der Einheit und des Friedens im Geiste der Liebe

29.6.1959


An die ehrwürdigen Brüder, die Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe, Bischöfe, und die anderen örtlichen Diener, die in Frieden und Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhl leben und an alle Priester und die Treuen der katholischen Welt:

 Ehrwürdige Mitbrüder und geliebte Söhne, Gruß und Apostolischen Segen!




III. Die Einheit der Kirche


Sprechen Wir nun von der Einheit, die Uns ganz besonders am Herzen liegt und die aufs engste mit dem Hirtenamt, das Gott Uns anvertraut hat, verbunden ist, nämlich von der Einheit der Kirche.

Eine Herde und ein Hirte

Allen ist bekannt, daß der göttliche Erlöser eine Gemeinschaft gegründet hat, die eins sein soll von ihrer Entstehung bis ans Ende der Zeiten, entsprechend seinem Wort: "Ich bin mit euch bis zum Ende der Welt" (Matth. 28, 20). Für diese Einheit hat er an seinen himmlischen Vater glühende Bitten gerichtet. Das Gebet Jesu Christi aber, das erhört wurde und angenommen wurde um seines Gehorsams willen (vgl. Hebr. 5, 7), dieses Gebet: "Laß sie alle eins sein. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, so laß sie in. uns eins sein" (Joh. 17, 21), gibt Uns Hoffnung und bestärkt Uns in, der trostreichen Erwartung, daß schließlich alle Schafe, die nicht aus diesem Schafstall sind, sich danach sehnen, in ihn zurückzukehren, so daß nach einem Wort des Erlösers, "nur noch eine Herde und ein Hirt sein werden" (Joh. 10, 16).



Ein ökumenischer Rat

Diese süße Hoffnung hat Uns schon dazu ermutigt, öffentlich unsere Absicht zu verkünden, ein ökumenisches Konzil einzuberufen, an dem die Bischöfe der ganzen Welt teilnehmen werden, um die großen religiösen Fragen der Gegenwart zu besprechen. Das Hauptziel des Konzils besteht darin, die Entwicklung des katholischen Glaubens zu fördern, das christliche Leben der Gläubigen zu erneuern und die kirchliche Disziplin den Bedingungen unserer Zeit anzupassen. Das Konzil wird sicherlich ein großartiges Schauspiel der Wahrheit, Einheit und Liebe sein, ein Schauspiel, dessen Anblick für diejenigen, die von diesem Apostolischen Stuhl getrennt sind, eine milde Einladung sein wird, diese Einheit zu suchen und zu finden, für die Jesus Christus an seinen himmlischen Vater eine so brennende Bitte gerichtet hat. Darauf vertrauen Wir fest.



Bewegungen in Richtung Einheit

Zu Unserem Trost wissen Wir, daß in letzter Zeit in vielen Gemeinschaften, die vom Stuhle Petri getrennt sind, eine Bewegung der Sympathie für den Glauben und die Institution der katholischen Kirche und eine ständig wachsende Achtung vor dem Apostolischen Stuhl entstanden sind und daß die Vorurteile bei der Suche nach der Wahrheit abnehmen. Wir haben auch zur Kenntnis genommen, daß fast alle diejenigen, die zwar von uns getrennt und unter sich gespalten sind, aber doch den Namen Christen tragen, des öfteren Versammlungen abgehalten haben, um Verbindungen unter sich anzuknüpfen. Zu diesem Zweck haben sie feste Institutionen geschaffen. Diese Initiativen sind Ausdruck ihres lebhaften Wunsches, zumindest zu einer gewissen Einheit zu gelangen.



Ein Zeichen der Kirche Christi

Ohne jeden Zweifel hat der göttliche Erlöser seiner Kirche bei ihrer Gründung die Stütze und Ausrüstung fester Einheit geschenkt. Hätte er es - eine absurde Hypothese - nicht getan, so hätte er eine hinfällige Gemeinschaft geschaffen, die mit der Zeit mit sich selbst in Widerspruch geraten wäre, so wie die philosophischen Systeme, die, der Vielfältigkeit menschlicher Meinungen überlassen, eines aus dem andern entstehen, sich verändern und wieder verschwinden. Daß das aber dem göttlichen Lehramt Christi, der "der Weg, die Wahrheit und das Leben ist" (Joh. 14, 6), widerspricht, ist offenkundig.

Eine solche Einheit, ehrwürdige Brüder und geliebte Söhne, darf, wie gesagt, nichts Unbestimmtes und Vergängliches sein, sondern etwas Festes, Starkes und Sicheres (vgl. Rundschreiben Pius' XI. Mortalium animos, AAS, vol. XX, 1928, S. 5 f.). Wenn nun diese Einheit den anderen christlichen Gemeinschaften fehlt, so fehlt sie doch gewiß nicht der katholischen Kirche, wie jeder aufmerksame Betrachter feststellen kann.



Drei Einheiten

Sie ist durch drei besondere Merkmale ausgezeichnet: Einheit der Lehre, Einheit der Leitung und Einheit des Kults. Diese Merkmale der Kirche sind für alle sichtbar, damit alle sie erkennen und ihr folgen können. Sie ist so beschaffen, daß sich in ihrer Hürde, nach dem Willen ihres göttlichen Gründers, alle Schafe zu einer einzigen Herde unter der Führung eines einzigen Hirten sammeln können, alle Kinder in das eine Vaterhaus, dessen Grundstein Petrus ist, berufen sind. Sie sucht alle Völker in dem einen Königreich Gottes brüderlich zusammenzuführen. Ihre Bürger sind auf Erden in der Eintracht des Geistes und Herzens verbunden und sollen dereinst die ewige Seligkeit im Himmel genießen.



Einheit der Lehre

Die katholische Kirche entscheidet auch, was fest und treu geglaubt werden muß, weil es göttliche Offenbarung und als solche in der Heiligen Schrift oder in der mündlichen und schriftlichen Tradition enthalten und seit der Zeit der Apostel über die Jahrhunderte hin überliefert worden ist. Diese Wahrheiten wurden durch die obersten Hirten und durch die rechtmäßigen ökumenischen Konzile bestätigt und definiert. Wenn jemand sich von diesem Weg entfernt hat, hat die Kirche ihn in ihrer mütterlichen Autorität unermüdlich auf den rechten Pfad zurückgerufen. Denn sie weiß und hält daran fest, daß es nur eine einzige Wahrheit gibt und daß es nicht mehrere Wahrheiten, die einander widersprechen, geben kann. Sie macht sich das Wort des Völkerapostels zu eigen: "Wir haben keine Macht gegen die Wahrheit, sondern nur für die Wahrheit" (2. Kor. 13, 8). Es gibt jedoch verschiedene Punkte, in denen die katholische Kirche den Theologen Diskussionsfreiheit läßt, und zwar in dem Maße, als es sich um noch ungeklärte Fragen handelt oder die Diskussionen nicht die Einheit der Kirche zerreißen, sondern im Gegenteil zu einer besseren und tieferen Einsicht in die Dogmen führen und neue Gesichtspunkte erbringen, die durch die Konfrontierung der Ansichten entstehen. So sagt der berühmte englische Schriftsteller Kardinal John Henry Newman (vgl. J. H. Newman, Difficulties of Anglicans, vol. I, lect. X, S. 261 ff. ). Auf jeden Fall muß man immer an dem Grundsatz festhalten, der unterschiedlich aus gedrückt und verschiedenen Autoren zugeschrieben wird: "Einheit im Notwendigen, Freiheit im Zweifelhaften, in allem aber die Liebe."



Einheit der Leitung

Die ganze Welt sieht auch, daß es in der katholischen Kirche eine einheitliche Leitung gibt. Denn wie die Gläubigen den Priestern, die Priester den Bischöfen unterstehen (subduntur) , die "der Heili ge Geist eingesetzt hat, die Kirche Gottes zu regieren" (Apg. 10, 28), genauso unterstehen (subiciuntur) alle einzelnen Bischöfe dem römischen Papst in seiner Eigenschaft als Nachfolger Petri, der von Christus, unserm Herrn, als Eckstein seiner Kirche eingesetzt; wurde (vgl. Matth. 16, 18). Ihm allein ist die Gewalt gegeben, auf Erden, was es auch sei, zu binden und zu lösen (ebd. 16, 19), seine Brüder zu stärken (vgl. Luk. 22, 32) und die gesamte Herde zu weiden (vgl. Joh. 21, 15-17).



Einheit des Kults

Was die Einheit des Kults betrifft, so ist allgemein bekannt, daß die katholische Kirche von Anfang an und durch die Jahrhunderte hin immer sieben Sakramente, nicht weniger und nicht mehr, bessesen hat, die sie wie ein heiliges Erbe von Jesus Christus empfing, und daß sie diese in der ganzen katholischen Welt ohne Unterlaß austeilt, um das übernatürliche Leben der Gläubigen zu nähren und zu steigern. Ebenso ist allgemein bekannt, daß sie nur ein Opfer feiert, die Eucharistie, in der Christus, unser Heil und unser Erlöser, jeden Tag für uns geopfert wird, nicht auf blutige, aber doch auf ganz reale Weise, wie es auf dem Kalvarienberg geschah, als er am Kreuz hing. Von der Eucharistie her gießt er auf uns barmherzig die unermeßlichen Reichtümer seiner Gnade aus. So sagt der hl. Cyprian mit Recht: "Man kann keinen andern Altar, kein neues Priestertum errichten, außer dem einen Altar, dem einen Priestertum" (Epist. XLIII, 5; corp. Vind. III, 2, 594; vgl. Epist. XL, Migne, PL, IV, 345). Das hindert bekanntlich nicht daran, daß es in der katholischen Kirche verschiedene gültige Riten gibt, die ihre Schönheit noch leuchtender machen: wie die Tochter des höchsten Königs ist sie mit bunten Gewändern geschmückt (vgl. Ps. 44, 15). Damit alle zu dieser wahren und einträchtigen Einheit gelangen, betet der katholische Priester, wenn er das eucharistische Opfer feiert und dem gütigen Gott die unbefleckte Opfergabe darbringt: "Wir bringen dir diese heiligen, makellosen Opfergaben dar, vor allem für deine heilige katholische Kirche: schenke ihr den Frieden auf dem ganzen Erdkreis; behüte, einige und leite sie huldvoll samt deinem Diener, dem Papst, allen Rechtgläubigen und allen, die den katholischen und apostolischen Glauben fördern" (Meßkanon).



Eine Einladung zur Einheit

Möge dies wunderbare Schauspiel der Einheit, das nur die katholische Kirche bietet, mögen die Gebete, mit denen sie Gott um die gleiche Einheit für alle anfleht, euch zu Herzen gehen und euch bewegen, euch, die ihr von diesem Apostolischen Stuhle getrennt seid. Laßt euch von Uns in liebevoller Sehnsucht Brüder und Söhne nennen. Laßt Uns die Hoffnung auf eure Rückkehr hegen, die Unserm väterlichen Herzen so teuer ist. Erlaubt Uns, zu euch mit demselben Hirteneifer zu sprechen, mit dem der Bischof Theophil von Alexandrien zu seinen Brüdern und Söhnen sprach, als ein unseliges Schisma das nahtlose Gewand der Kirche zerriß: "Geliebte, ahmen wir doch alle, jeder nach seiner Kraft, den Anführer und Vollender unseres Heils, Jesus, nach, da wir ja alle die gleiche himmlische Berufung in uns tragen. Laßt uns Demut annehmen, die aufrichtet, Liebe, die mit Gott vereinigt, und einen aufrichtigen Glauben an die göttlichen Geheimnisse. Flieht vor der Spaltung, meidet die Zwietracht ... unterstützt euch in gegenseitiger Liebe. Hört, wie Christus euch sagt: Daran werden alle euch als meine Jünger erkennen, an der Liebe, die ihr füreinander hegt" (vgl. Hom. in mysticam coenam; PG, LXXVII, 1027). Wir bitten euch, doch recht zu begreifen, daß Unser liebevoller Aufruf zur Einheit der Kirche euch nicht dazu einlädt, in ein fremdes Haus zukommen, sondern in das gemeinsame Haus, in das Haus des Vaters. Erlaubt, daß Wir euch ermahnen, da Wir euch alle zärtlich "im Herzen Jesu Christi" (Phil. 1, 8) lieben, daß ihr euch eurer Väter erinnert, "die euch das Wort Gottes verkündet haben. Schaut auf das Ende ihres Wandels! Folgt ihrem Glauben nach!" (Hebr. 13, 7). Die glorreiche Schar der Heiligen, die jede eurer Nationen schon zum Himmel gesandt hat, besonders diejenigen, die durch ihre Schriften die Lehre Jesu Christi richtig und überzeugend weitergegeben und erklärt haben, lädt euch durch das Beispiel ihres Lebens zur Einheit mit diesem Apostolischen Stuhl ein, mit dem auch eure christliche Gemeinschaft so viele Jahrhunderte lang heilbringend verbunden war. Wir richten also an alle, die von Uns getrennt sind, wie an Brüder, die Worte des hl. Augustinus: "Ob sie wollen oder nicht, sie sind unsere Brüder. Sie hören erst auf, unsere Brüder zu sein, wenn sie aufhören, das Vaterunser zu sprechen" (S. Aug., In Ps. XXXII, Enarr. II, 29; Migne, PL XXXVI, 299). "Laßt uns den Herrn, unsern Gott lieben, laßt uns seine Kirche lieben, ihn wie einen Vater, sie wie eine Mutter, ihn wie den Meister, sie wie seine Dienerin, denn wir sind die Söhne dieser Dienerin. Doch diese Verbindung wird durch eine große Liebe zusammengehalten. Wer den einen beleidigt, kränkt auch den andern ... Was nützt es dir, daß du den Vater nicht beleidigt hast, dieser jedoch die beleidigte Mutter rächt? ... Seht also einmütig, Geliebte, in Gott euern Vater, in der Kirche aber eure Mutter ..." (ebd. zu Ps. LXXVII, Enarr. II, 14; Migne, PL XXXVII, 1140).



Notwendigkeit des Gebets

Deshalb bitten und flehen Wir zum gütigen Gott, dem Geber des himmlischen Lichts und aller Güter, er möge die Einheit der Kirche schützen und den Schafstall und das Königreich Christi erweitern. Zugleich ermahnen Wir auch unsere lieben Brüder und Söhne in Christus ohne Ausnahme, dasselbe zu tun. Der Erfolg des kommenden ökumenischen Konzils hängt viel mehr von diesem heiligen Wettkampf glühender gemeinsamer Gebete als von menschlicher Mühe und Geschicklichkeit ab. Zu diesem Beten laden Wir aus liebe-vollem Herzen auch alle diejenigen ein, die zwar diesem Schafstall nicht angehören, aber Gott fürchten und ehren und sich guten Willens bemühen, seine Gebote zu befolgen. Das göttliche Gebet Christi möge die Erfüllung und Verwirklichung dieser Hoffnungen und Wünsche bringen: "Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins seien, gleich wie wir ... Heilige sie in der Wahrheit. Dein Wort ist Wahrheit ... Nicht nur für sie bitte ich, sondern auch für jene, die auf ihr Wort hin an mich glauben . . . So laß sie vollkommen eins sein ... " (Joh. 17, 11 17 20 21 23).

Dieses Gebet wiederholen Wir zusammen mit der katholischen Welt, die mit Uns verbunden ist. Wir tun es nicht nur in glühender Liebe zu allen Völkern, sondern auch im Geiste aufrichtiger evangelischer Demut. Denn Wir kennen die Niedrigkeit Unserer Person und daß Gott sich nicht auf Grund unserer Verdienste, sondern nach einem geheimnisvollen Plan herabgelassen hat, Uns zum Gipfel des Papsttums emporzuführen. Deshalb wiederholen Wir allen Unsern Brüdern und Söhnen, die von diesem Stuhle Petri getrennt sind: "Ich bin .. . Josef, euer Bruder" (Gen. 45, 7). Kommt, "gebt uns Raum" (2. Kor. 7, 2). Wir ersehnen nichts anderes und bitten Gott um nichts anderes als um euer Heil und eure ewige Seligkeit.



Der Friede Christi

Kommt! Aus dieser ersehnten Eintracht und Einheit, die die brüderliche Liebe nähren und erhalten muß, entsteht großer Friede: jener Friede, "der alles Begreifen übersteigt" (Phil. 4, 7); denn er stammt vom Himmel. Es ist der Friede, den Christus den Menschen guten Willens durch den Gesang der Engel über seiner Krippe verkündet hat (vgl. Luk. 2, 14) und den er nach der Einsetzung des Sakramentes und Opfers der heiligen Eucharistie verhieß: "Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch" (Joh. 14, 27). Friede und Freude ! Auch Freude; denn alle, die wirklich und wirksam dem mystischen Leibe Christi, der die katholische Kirche ist, angehören, nehmen an jenem Leben teil, das vom göttlichen Haupt jedem der Glieder zugeht. Wer aber getreu alle Gebote unseres Erlösers befolgt, kann schon in diesem Leben an der Freude teilnehmen, die nur Vorzeichen und Ankündigung der ewigen Seligkeit im Himmel ist.

Aber dieser Friede, dieses Glück bleiben unvollständig, solange wir mühevoll, wie Fremdlinge, auf dieser irdischen Reise unterwegs sind. Es ist kein völlig ruhiger, völlig heiterer Friede, es ist ein Friede der Tat und nicht der Muße und der Ruhe. Es ist vor allem ein Friede, der kämpft gegen alle Irrtümer, auch wenn sie sich mit dem Schein der Wahrheit tarnen, gegen den Reiz und die Verführung des Lasters, schließlich gegen alle Feinde der Seele, die die Unschuld oder unsern katholischen Glauben schwächen, beflecken oder zerstören können. Ein Friede, der auch gegen Haß, Feindschaften, Spaltungen kämpft, die ihn schwächen und erschüttern können. Darum hat der göttliche Erlöser uns seinen Frieden gegeben und ans Herz gelegt. Der Friede also, den wir suchen, nach dem wir mit allen Kräften streben müssen, darf, wie Wir schon gesagt haben, keinen Irrtümern zustimmen, sich nicht auf Kompromisse mit deren Vorkämpfern einlassen, keinem Laster Raum geben. Er muß schließlich jede Zwietracht meiden. Dieser Friede verlangt von denen, die ihn suchen, daß sie bereit sind, um der Wahrheit und Gerechtigkeit willen auch auf ihren eigenen Vorteil und Nutzen zu verzichten, nach dem Herrenwort: "Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit" (Matth. 6, 33). Die allerseligste Jungfrau Maria, die Königin des Friedens, möge, so bitten Wir flehentlich, durch ihr unbeflecktes Herz, dem Unser Vorgänger Pius XII. das Menschengeschlecht geweiht hat, von Gott diese Eintracht, diesen tätigen und einsatzbereiten Frieden erlangen, sowohl für diejenigen, die unsere Söhne in Christus sind, als auch für alle, die zwar von uns getrennt sind, aber ebenfalls nicht anders können, als die Einheit und die Eintracht zu lieben.

Gegeben zu Rom, bei St. Peter, am 29. Juni 1959
am Feste der Apostel Peter und Paul, im Jahr 1959,
dem ersten Unseres Pontifikates.

Johannes XXIII.



Quelle: Hans-Ludwig Althaus, Ökumenische Dokumente, Vandenhoeck & Ruprecht, 1962, S. 191ff (=Herder Korrespondenz 1958/59, S. 542 ff.)

Englische Version: Ad Petri Cathedram

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Ins Netz gesetzt am 15.06.2006; letzte Änderung: 27.01.2007
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