Die Osterharmonie - Chronologie der Ereignisse von Ostern

Karl-Heinz Vanheiden [ 1 ]


Die Geschichte von der Auferstehung unseres Herrn beginnt mit der Entdeckung des leeren Grabes. Alle vier Evangelisten berichten davon.

In der Frühe des Ostermorgens wird das Grab Jesu offen vorgefunden. Der schwere Rollstein ist beiseite gewälzt und die Grabhöhle ist leer. Das ist aber schon das Einzige, worin alle vier Evangelisten übereinstimmen. Ansonsten scheinen sie sich in fast jedem Punkt zu widersprechen, allerdings nur auf den ersten Blick. Wenn man genauer hinschaut, verschwinden die Widersprüche und die Aussagen der vier Zeugen werden gerade dadurch glaubhaft, dass sie sich unterscheiden.

Trotzdem bleibt jede Osterharmonie in gewisser Hinsicht spekulativ, denn manche Einzelheiten könnten auch anders gedeutet werden, als wir es tun werden. Dennoch machen unsere Bemühungen klar, dass die Berichte der vier Zeugen sich nicht widersprechen, sondern sich im Gegenteil gut ergänzen. Solch ein Versuch in 16 Stationen sei hier vorgestellt:

  1. Am Sonntagmorgen, als es noch dunkel war, verließen Maria aus Magdala und Maria, die Mutter von Jakobus dem Kleinen und Joseph (Mk 15,47), den Ort, wo sie übernachtet hatten und machten sich auf den Weg zum Grab. Vielleicht haben die beiden Frauen außerhalb von Jerusalem in Betanien übernachtet und mussten daher zuerst aufbrechen (Mt 28,1; Mk 16,1).

    • Mk 15,45 Pilatus überließ Josef den Leichnam. 46 Josef kaufte ein langes Leinentuch, nahm den Leichnam vom Kreuz, wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das aus dem Felsen gehauen war. Dann wälzte er einen Stein vor den Eingang. 47 Maria von Magdala und Maria, die Mutter von Josef, beobachteten, wohin der Leichnam von Jesus gelegt wurde.

      Mt 28,1 Am Sonntagmorgen in aller Frühe gingen Maria Magdalena und die andere Maria hinaus zum Grab.

      Mk 16,1 Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria von Magdala, Salome und Maria, die Mutter von Jakobus, wohlriechende Öle, um den Leichnam einzubalsamieren. 2 Früh am Sonntagmorgen, gerade als die Sonne aufging, machten sie sich auf den Weg zum Grab.


  2. Unterwegs stieß Salome zu ihnen, mit der zusammen sie schon am Freitagabend Balsam und Salben vorbereitet hatten und am Samstagabend noch wohlriechende Öle dazu gekauft hatten. Diese Öle wollten sie als Zeichen ihrer Verehrung über den mit Tüchern eingewickelten Leichnam gießen (Lk 23,56; Mk 16,1).

    • Lk 23,56 Dann gingen sie nach Hause und bereiteten Kräuter und Öle vor, um ihn damit einzubalsamieren. Doch als sie mit den Vorbereitungen fertig waren, war der Sabbat angebrochen, und sie ruhten den ganzen Tag, wie es im Gesetz vorgeschrieben ist.

      Mk 16,1 Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria von Magdala, Salome und Maria, die Mutter von Jakobus, wohlriechende Öle, um den Leichnam einzubalsamieren.


  3. Auf dem Weg zum Grab schlossen sich ihnen noch andere Frauen an, unter denen sich auch Johanna, die Frau des Chuza (Lk 8,3), eines Verwalters von Herodes, befand (Lk 24,10). So waren ganz in der Frühe insgesamt mindestens fünf Frauen zum Grab unterwegs (Maria Magdalena, die andere Maria, Salome, Johanna, N.N.). Miteinander überlegten sie, wie sie den Stein vom Grab wegbekommen sollten (Mk 16,3), denn sie wussten nicht, dass das Grab inzwischen versiegelt und mit einer Wache gesichert worden war (Mt 27,62-66). Im Gegensatz zu den führenden Priestern und Pharisäern hatten sie die Sabbatruhe eingehalten und waren nicht zum Grab gegangen.

    • Mk 16,3 Unterwegs überlegten sie, wer ihnen den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen könnte.

      Mt 27,62 Am nächsten Tag - dem ersten Tag des Passahfestes - gingen die obersten Priester und Pharisäer zu Pilatus. 63 Sie sagten zu ihm: "Herr, uns ist eingefallen, dass dieser Verführer, als er noch lebte, einmal gesagt hat: 'Nach drei Tagen werde ich von den Toten auferweckt.' 64 Wir möchten dich deshalb bitten, das Grab bis zum dritten Tag versiegeln zu lassen. Das wird seine Jünger daran hindern, zurückzugehen und seinen Leichnam zu stehlen, um dann allen zu sagen, er sei wieder lebendig! Denn wenn das geschieht, wird der Betrug noch schlimmer sein als vorher." 65 Pilatus erwiderte: "Nehmt Wachen mit und sichert das Grab, so gut ihr könnt." 66 Also versiegelten sie das Grab und stellten Wachen auf, die es schützen sollten.

      Lk 24,9f Sie liefen schnell zurück, um den elf Jüngern - und allen anderen - zu berichten, was geschehen war. 10 Die Frauen, die zum Grab gegangen waren, waren Maria Magdalena, Johanna und Maria, die Mutter von Jakobus und mehrere andere. Sie erzählten den Aposteln, was geschehen war,


  4. Als sie noch unterwegs waren, begann plötzlich die Erde heftig zu beben. Wir wissen nicht, ob die Frauen etwas davon mitbekommen haben. Jedenfalls berichtet Matthäus, dass ein Engel vom Himmel gekommen und zum Grab getreten war. Er wälzte den versiegelten Stein weg und setzte sich darauf (Mt 28,2). Die Wächter standen Todesängste aus. Vor Entsetzen stürzten sie ohnmächtig zu Boden und flüchteten, sobald sie wieder zu sich gekommen waren, in die Stadt (Mt 28,4). Der Engel wurde daraufhin offenbar wieder unsichtbar, vielleicht um für die Frauen nicht schon von fern sichtbar zu sein und sie so wie die Soldaten zu erschrecken.


    • Mt 28,2-4 2 Plötzlich gab es ein starkes Erdbeben, weil ein Engel des Herrn vom Himmel herabkam, den Stein beiseite rollte und sich darauf niederließ.3 Sein Gesicht leuchtete wie ein Blitz, und sein Gewand war weiß wie Schnee. 4 Die Wachen zitterten vor Angst, als sie ihn sahen, fielen zu Boden und blieben wie tot liegen.


  5. Als die Frauen am Grab eintrafen, das außerhalb von Jerusalems Stadtmauern lag, ging gerade die Sonne auf. Verblüfft stellten sie fest, dass der große schwere Stein vom Eingang weggerollt war (Mk 16,4). Maria aus Magdala schaute daraufhin nur flüchtig ins Grab und lief in die Stadt, um Petrus und Johannes zu berichten, dass der Leichnam weggenommen worden sei (Joh 20,1f).

    • Mk 16,4 Als sie jedoch hinkamen, sahen sie, dass der Stein - ein massiver Felsblock - bereits zur Seite gewälzt war.

      Joh 20,1 Früh am ersten Tag der Woche, als es noch dunkel war, kam Maria Magdalena zum Grab und fand den Stein vom Eingang weggerollt. 2 Sie lief zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus lieb hatte, und sagte: "Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingebracht haben!"


  6. Die anderen Frauen betraten jetzt die Grabkammer, um nach dem verschwundenen Leichnam zu suchen. Da sahen sie auf der rechten Seite einen jungen Mann in weißem Gewand sitzen. Der Engel stand auf und forderte die Frauen auf, sich die Stelle, wo Jesus gelegen hatte, näher anzusehen. Als er aufstand, erschien auch der andere stehende Engel. Beide redeten die Frauen an und schickten sie mit der Auferstehungsbotschaft zu den Jüngern. Die Jünger sollten ihren auferstandenen Herrn in Galiläa treffen (Mk 16,5-7; Mt 28,5ff).

    • Mk 16,5-7 Sie betraten die Grabhöhle und bemerkten dort auf der rechten Seite einen jungen Mann in einem strahlend weißen Gewand. Die Frauen erschraken sehr, 6 aber der Engel sagte: "Habt keine Angst. Ihr sucht Jesus von Nazareth, der gekreuzigt wurde. Er ist nicht hier! Er ist von den Toten auferstanden! Seht, das ist die Stelle, an der sie ihn hingelegt haben. 7 Geht jetzt zu seinen Jüngern und sagt ihnen, auch Petrus: Jesus geht euch nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat, bevor er starb!"

      Mt 28,5ff Der Engel sprach die Frauen an. "Habt keine Angst!", sagte er. "Ich weiß, ihr sucht Jesus, der gekreuzigt wurde. 6 Er ist nicht hier! Er ist von den Toten auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt und seht, wo sein Leichnam gelegen hat. 7 Und nun geht und sagt seinen Jüngern, dass er von den Toten auferstanden ist und ihnen nach Galiläa vorausgeht. Dort werdet ihr ihn sehen. Merkt euch, was ich euch gesagt habe."


  7. Zitternd vor Furcht und Entsetzen verließen die Frauen die Grabkammer und liefen davon. Sie hatten solche Angst, dass sie unterwegs niemand etwas von ihrem Erleben erzählten. Gleichzeitig waren sie auch voller Freude über die Nachricht, dass ihr Herr auferstanden war. So schnell sie konnten, eilten sie in die Stadt zurück und berichteten allen Jüngern, was sie erlebt hatten. Doch die glaubten ihnen nicht (Mt 28,8; Mk 16,8; Lk 24,9+11).


    • Mt 28,8 Die Frauen liefen schnell vom Grab fort. Sie waren zu Tode erschrocken und doch zugleich außer sich vor Freude. So schnell sie konnten, liefen sie zu den Jüngern, um ihnen auszurichten, was der Engel gesagt hatte.

      Mk 16,8 Zitternd vor Angst und Bestürzung flohen die Frauen aus dem Grab. Sie redeten mit niemandem darüber, so sehr fürchteten sie sich.

      Lk 24,9-11 Sie liefen schnell zurück, um den elf Jüngern - und allen anderen - zu berichten, was geschehen war. 10 Die Frauen, die zum Grab gegangen waren, waren Maria Magdalena, Johanna und Maria, die Mutter von Jakobus und mehrere andere. Sie erzählten den Aposteln, was geschehen war, 11 doch für diese klang die Geschichte völlig unsinnig, deshalb glaubten sie ihnen nicht.


  8. Während die Frauen noch auf dem Weg waren, berichteten einige Soldaten der Wachmannschaft den führenden Priestern, was geschehen war. Die trafen sich sogleich mit den Ältesten zur Beratung und beschlossen, die Wache zu bestechen (Mt 28,11-15).

    • Mt 28,11-15 Während die Frauen auf dem Weg in die Stadt waren, gingen einige der Männer, die das Grab bewacht hatten, zu den obersten Priestern und berichteten ihnen, was geschehen war. 12 Sofort wurde eine Versammlung aller Ältesten einberufen. Sie beschlossen, die Soldaten zu bestechen, und 13 gaben ihnen die folgende Anweisung: "Ihr müsst sagen: 'Die Jünger von Jesus kamen in der Nacht, während wir schliefen, und haben seinen Leichnam gestohlen.' 14 Wenn der Statthalter davon erfährt, werden wir euch beistehen. Ihr braucht nichts Schlimmes zu befürchten." 15 Die Soldaten nahmen das Bestechungsgeld an und sagten, was ihnen aufgetragen worden war. Ihre Geschichte verbreitete sich unter den Juden, und sie erzählen sie noch bis zum heutigen Tag.


  9. Inzwischen waren Petrus und Johannes auf die Botschaft der Maria aus Magdala hin zum Grab gerannt, um sich von dem Gesagten zu überzeugen. Johannes, der als erster an der Grabhöhle war, riskierte zunächst nur einen Blick und sah die Leintücher. Als Petrus auch angekommen war, gingen sie hinein und sahen die Leinenbinden und das Tuch, das man dem Toten um den Kopf gewickelt hatte, extra liegen. Johannes glaubte sofort, dass sein Herr wirklich auferstanden war. Petrus aber konnte das noch nicht und ging nachdenklich wieder nach Hause (Lk 24,12; Joh 20,1-10).

    • Lk 24,12 Petrus lief trotzdem zum Grab, um nachzusehen. Dort angekommen, beugte er sich vor, um einen Blick hineinzuwerfen, und sah die losen Leinentücher; dann ging er weg und fragte sich verwundert, was geschehen war.

      Joh 20,1-10 Früh am ersten Tag der Woche, als es noch dunkel war, kam Maria Magdalena zum Grab und fand den Stein vom Eingang weggerollt. 2 Sie lief zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus lieb hatte, und sagte: "Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingebracht haben!" 3 Petrus und der andere Jünger liefen zum Grab, um nachzusehen. 4 Der andere Jünger lief schneller als Petrus und kam als Erster an. 5 Er beugte sich vor, um hineinzuschauen, und sah die Leinentücher daliegen, aber er ging nicht hinein. 6 Dann kam Simon Petrus und ging in die Grabhöhle hinein. Auch er sah die Leinentücher dort liegen; 7 das Tuch, das den Kopf von Jesus bedeckt hatte, lag zusammengefaltet auf der Seite. 8 Da ging auch der andere Jünger hinein, und er sah und glaubte - 9 denn bis dahin hatten sie die Aussage der Schrift nicht verstanden, dass Jesus von den Toten auferstehen würde. 10 Dann gingen sie nach Hause zurück.


  10. Maria aus Magdala, die ihnen langsam gefolgt war, verweilte noch länger an der Grabhöhle und weinte, denn sie glaubte immer noch, dass jemand den Leib ihres Herrn weggenommen hatte. Als sie dann noch einmal ins Grab hinein schaute, sah sie zwei Engel in weißen Gewändern auf der Felsenbank sitzen, wo der Leichnam gelegen hatte. Die fragten sie, warum sie weine. Während sie ihnen Auskunft gab, bemerkt sie hinter sich eine Person und wandte sich kurz nach ihr um, weil sie glaubte, es sei der Gärtner. Erst nachdem Jesus sie mit Namen ansprach, drehte sie sich ganz um und erkannte den Auferstandenen. Damit war sie die erste Person, der sich der auferstandene Herr offenbart hatte (Joh 20,11-18; Mk 16,9).

    • Joh 20, 11-18 Maria stand weinend draußen vor dem Grab, und während sie weinte, beugte sie sich vor und schaute hinein. 12 Da sah sie zwei weiß gekleidete Engel sitzen, einen am Kopf- und einen am Fußende der Stelle, an der der Leichnam von Jesus gelegen hatte. 13 "Warum weinst du?", fragten die Engel sie. "Weil sie meinen Herrn weggenommen haben", erwiderte sie, "und ich nicht weiß, wo sie ihn hingelegt haben." 14 Sie blickte über ihre Schulter zurück und sah jemanden hinter sich stehen. Es war Jesus, aber sie erkannte ihn nicht. 15 "Warum weinst du?", fragte Jesus sie. "Wen suchst du?" Sie dachte, er sei der Gärtner. "Herr", sagte sie, "wenn du ihn weggenommen hast, sag mir, wo du ihn hingebracht hast; dann gehe ich ihn holen." 16 "Maria!", sagte Jesus. Sie drehte sich um zu ihm und rief aus: "Meister!" 17 "Berühre mich nicht", sagte Jesus, "denn ich bin noch nicht zum Vater aufgefahren. Aber geh zu meinen Brüdern und sage ihnen, dass ich zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott auffahre." 18 Maria Magdalena fand die Jünger und erzählte ihnen: "Ich habe den Herrn gesehen!" Dann berichtete sie, was er ihr aufgetragen hatte.

      Mk 16,9 Jesus war am frühen Sonntagmorgen von den Toten auferstanden und erschien zuerst Maria von Magdala, die er von sieben Dämonen befreit hatte.


  11. Maria ging zu den Jüngern und erzählte ihnen, was Jesus zu ihr gesagt hatte, doch sie glaubten ihr nicht (Mk 16,10f; Joh. 20,18).

    • Mk 16,10f Sie ging zu den Jüngern, die um ihn trauerten und weinten, 11 und berichtete ihnen, dass Jesus lebe und dass sie ihn gesehen habe. Doch sie glaubten ihr nicht.

      Joh 20,18 Maria Magdalena fand die Jünger und erzählte ihnen: "Ich habe den Herrn gesehen!" Dann berichtete sie, was er ihr aufgetragen hatte.


  12. Am gleichen Tag erschien der Auferstandene auch den anderen Frauen, die am Grab die Engel getroffen hatten. Er wiederholte den Auftrag, den ihnen schon die Engel gegeben hatten, dass die Jünger nach Galiläa kommen sollten (Mt 28,9f).

    • Mt 28,9f Unterwegs begegneten sie Jesus. "Seid gegrüßt!", sagte er. Und sie liefen zu ihm hin, umklammerten seine Füße und beteten ihn an. 10 Jesus sagte zu ihnen: "Habt keine Angst! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa kommen, dort werden sie mich sehen."


  13. Noch vor dem Abend erschien der Herr auch dem Petrus (Lk 24,34).

    • Lk 24,33f 33 Und sofort brachen sie auf und gingen nach Jerusalem zurück, wo die elf Jünger und die, die bei ihnen waren, sich versammelt hatten. Als sie ankamen, wurden sie mit der Nachricht empfangen: "Der Herr ist tatsächlich auferstanden! Er ist Petrus erschienen!"


  14. Dann erschien der Auferstandene den beiden Jüngern, die gegen Abend nach Emmaus unterwegs waren und erklärte ihnen die messianischen Weissagungen des Alten Testaments. Sie erkannten ihn zunächst nicht, luden ihn aber zu sich nach Hause ein. Als er am Beginn der Abendmahlzeit vor ihren Augen verschwand, brachen sie unverzüglich auf und kehrten wieder nach Jerusalem zurück (Lk 24,13-35).

    • Lk 24,13-35 Am gleichen Tag waren zwei Jünger von Jesus unterwegs nach Emmaus, einem Dorf, das etwa elf Kilometer von Jerusalem entfernt lag. 14 Auf dem Weg sprachen sie über alles, was geschehen war. 15 Plötzlich kam Jesus selbst, schloss sich ihnen an und ging mit ihnen. 16 Aber sie wussten nicht, wer er war, weil Gott verhinderte, dass sie ihn erkannten. 17 "Worüber redet ihr?", fragte Jesus. "Was beschäftigt euch denn so?" Da blieben sie voller Traurigkeit stehen. 18 Einer von ihnen, Kleopas, sagte: "Du bist wohl der einzige Mensch in Jerusalem, der nicht gehört hat, was sich dort in den letzten Tagen ereignet hat." 19 "Was waren das für Ereignisse?", fragte Jesus. "Das, was mit Jesus von Nazareth geschehen ist", sagten sie. "Er war ein Prophet, der vor Gott und dem ganzen Volk erstaunliche Wunder tat und mit großer Vollmacht lehrte. 20 Doch unsere obersten Priester und die anderen Ältesten haben ihn verhaftet, den Römern ausgeliefert und zum Tod verurteilen lassen, und er wurde gekreuzigt. 21 Wir hatten gehofft, er sei der Christus, der Israel retten und erlösen wird. Das alles geschah vor drei Tagen. 22 Aber heute Morgen waren einige Frauen aus unserer Gemeinschaft schon früh an seinem Grab und kamen mit einem erstaunlichen Bericht zurück. 23 Sie sagten, sein Leichnam sei nicht mehr da, und sie hätten Engel gesehen, die ihnen sagten, dass Jesus lebt! 24 Einige von uns liefen hin, um nachzuschauen, und tatsächlich war der Leichnam von Jesus verschwunden, wie die Frauen gesagt hatten." 25 Darauf sagte Jesus zu ihnen: "Was seid ihr doch für unverständige Leute! Es fällt euch so schwer zu glauben, was die Propheten in der Schrift gesagt haben. 26 Haben sie nicht angekündigt, dass der Christus alle diese Dinge erleiden muss, bevor er verherrlicht wird?" 27 Und er begann bei Mose und den Propheten und erklärte ihnen alles, was in der Schrift über ihn geschrieben stand. 28 Mittlerweile näherten sie sich ihrem Ziel, dem Dorf Emmaus. Es schien so, als ob Jesus weitergehen wollte, 29 doch sie baten ihn inständig, über Nacht bei ihnen zu bleiben, da es schon dunkel wurde. Da trat er mit ihnen ins Haus. 30 Als sie sich hinsetzten, um zu essen, nahm er das Brot, segnete es, brach es und gab es ihnen. 31 Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn. Doch im selben Augenblick verschwand er! 32 Sie sagten zueinander: "War es uns nicht seltsam warm ums Herz, als er unterwegs mit uns sprach und uns die Schrift auslegte?" 33 Und sofort brachen sie auf und gingen nach Jerusalem zurück, wo die elf Jünger und die, die bei ihnen waren, sich versammelt hatten. Als sie ankamen, wurden sie mit der Nachricht empfangen: 34 "Der Herr ist tatsächlich auferstanden! Er ist Petrus erschienen!" 35 Da erzählten auch die beiden Jünger aus Emmaus ihre Geschichte, wie Jesus unterwegs mit ihnen gesprochen hatte und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.


  15. Es könnte sein, dass einige der Jünger in Jerusalem inzwischen von der Auferstehung des Herrn überzeugt waren. Als die Emmaus-Jünger nämlich am späten Abend hereinkamen, wurden sie mit den Worten empfangen: "Der Herr ist tatsächlich auferstanden. Er ist dem Simon erschienen." Doch einige von den Anwesenden glaubten offenbar auch dann noch nicht, als die beiden aus Emmaus ihre Erlebnisse berichteten (Mk 16,13).

    • Mk 16, 12 Danach erschien er in veränderter Gestalt zwei Jüngern, die von Jerusalem unterwegs aufs Land gingen. 13 Sie liefen zurück, um es den anderen zu erzählen, aber keiner glaubte ihnen.


  16. Plötzlich erschien der Auferstandene selbst in ihrer Mitte, obwohl sie die Türen verschlossen hatten, und grüßte sie mit "Schalom". Doch sie waren starr vor Schreck, denn sie meinten, einen Geist zu sehen. Da sagte er zu ihnen: "Wie kommt es, dass solche Zweifel in euren Herzen aufsteigen? Schaut euch meine Hände und meine Füße an: Ich bin es wirklich! Berührt mich und überzeugt euch selbst!" Dann aß er vor ihren Augen ein Stück gebratenen Fisch, um ihnen zu beweisen, dass er kein Geist sei. Er zeigte ihnen seine Hände und seine Seite und schalt sie, weil sie denen nicht hatten glauben wollen, die ihn nach seiner Auferstehung gesehen hatten. Da warfen sie sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. (Lk 24,36ff; Mk 16,14; Joh 20,19-23).

    • Lk 24,36ff Und während sie noch sprachen, stand Jesus plötzlich selbst mitten unter ihnen und sagte: "Friede sei mit euch!" 37 Doch sie hatten alle schreckliche Angst, weil sie dachten, sie sähen einen Geist! 38 "Warum fürchtet ihr euch so?", fragte er. "Warum zweifelt ihr, wer ich bin? 39 Seht euch meine Hände an. Seht euch meine Füße an. Ihr könnt doch sehen, dass ich es wirklich bin. Berührt mich und vergewissert euch, dass ich kein Geist bin; denn ein Geist hat keinen Körper, und ich habe einen, wie ihr seht!" 40 Bei diesen Worten hielt er ihnen seine Hände hin und zeigte ihnen seine Füße. 41 Noch immer standen sie voller Zweifel und Freude da. Er fragte sie: "Habt ihr etwas zu essen da?" 42 Sie reichten ihm ein Stück gebratenen Fisch, 43 und er aß ihn vor ihren Augen. 44 Dann sagte er: "Als ich bei euch war, habe ich euch erklärt, dass alles, was bei Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben steht, in Erfüllung gehen muss." 45 Nun öffnete er ihnen den Blick für das Verständnis dieser Schriften. 46 Er sagte: "Es wurde vor langer Zeit aufgeschrieben, dass der Christus leiden und sterben und am dritten Tag auferstehen muss. 47 Geht in seinem Namen zu allen Völkern, angefangen in Jerusalem, ruft sie zur Umkehr auf, damit sie Vergebung der Sünden erhalten. 48 Für all dies seid ihr meine Zeugen. 49 Und nun werde ich euch den Heiligen Geist senden, wie mein Vater es versprochen hat. Ihr aber bleibt hier in der Stadt, bis der Heilige Geist kommen und euch mit Kraft aus dem Himmel erfüllen wird."

      Mk 16,14 Später erschien er den elf Jüngern, während sie gemeinsam aßen. Er rügte ihren Unglauben, ihre hartnäckige Weigerung, denen zu glauben, die ihn nach seiner Auferstehung gesehen hatten.

      Joh 20,19-23 Am Abend dieses ersten Tages der Woche trafen die Jünger sich hinter verschlossenen Türen, weil sie Angst vor den Juden hatten. Plötzlich stand Jesus mitten unter ihnen! "Friede sei mit euch", sagte er. 20 Und nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Freude erfüllte die Jünger, als sie ihren Herrn sahen. 21 Wieder sprach er zu ihnen und sagte: "Friede sei mit euch. Wie der Vater mich gesandt hat, so sende ich euch." 22 Dann hauchte er sie an und sprach: "Empfangt den Heiligen Geist. 23 Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben. Wem ihr sie nicht vergebt, dem sind sie nicht vergeben."

Soviel zum Geschehen am ersten Ostertag. Etwa in dieser Reihenfolge mit einigen leichten Variationen könnte es geschehen sein.

Was dabei auffällt ist, dass die Evangelien keineswegs leichtgläubige Männer und Frauen zeigen, die ihrer Sinne nicht mächtig waren oder deren Wünsche sich in Auferstehungsvisionen manifestierten. Nein, sie waren allesamt sehr misstrauisch. Zunächst glaubten die Jünger nicht einmal die Nachricht vom leeren Grab, ganz zu schweigen von den Engelerscheinungen. Sie besaßen offenbar keine hohe Meinung von der Zuverlässigkeit der Frauen und hielten das, was sie berichteten, für leeres Geschwätz. Als die Frauen später mit der Neuigkeit kamen, den auferstandenen Herrn selbst gesehen zu haben, zweifelten sie ernsthaft an deren Glaubwürdigkeit. Selbst als Kleopas (Lk 24,18) mit seinem Sohn spät abends von Emmaus zurück kam, obwohl sie doch gerade erst dorthin aufgebrochen waren, und beide von ihrer Begegnung mit dem Auferstandenen berichteten, glaubten einige immer noch nicht. Nicht einmal, als Jesus selbst in ihrer Mitte erschien glaubten sie sofort. Letztlich waren sie alle ebenso misstrauisch, wie Thomas, von dem anschließend berichtet wird (Joh 20,24ff). Der Herr hatte viel Mühe damit, sie zu überzeugen. Ja selbst noch Tage später in Galiläa zweifelten einige (Mt 28,17).

Heute können wir ihnen für diesen hartnäckigen Unglauben nur dankbar sein. Denn ihre natürliche Skepsis, ihre Bereitschaft, eher ihren Sinnen zu misstrauen, als einen auferstandenen Gekreuzigten zu akzeptieren, steigert die Glaubwürdigkeit ihrer Berichte in erheblichem Maß. Die Tatsachen sprechen für sich. Sie sagen sehr deutlich: der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!

[ 1 ] Der Autor, Karl-Heinz Vanheiden, ist im Reisedienst der Brüdergemeinden und als Lehrer an der Bibelschule Burgstädt und als Verlagsleiter des Bibelbund-Verlages und Schriftleiter von "Bibel und Gemeinde" tätig.

Bibeltext: NeÜ, Dillenburg: Christliche Verlagsgesellschaft mbH 2010



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Copyright (C) 2004 by Karl-Heinz Vanheiden
Alle Rechte vorbehalten. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung.
Dieser Artikel erschien zuerst in der Zeitschrift PERSPEKTIVE Nr. 04/2004
E-Mail: perspektive@christ-online.de
Dieses Papier ist ausschließlich für den persönlichen Gebrauch bestimmt.
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Ins Netz gesetzt am 22.03.2005; letzte Änderung: 23.04.2015

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