Gott will keine ewige Studenten

Konsequente Nachfolge ist an einer engagierter Mitarbeit in der Gemeinde erkennbar

von Rene Schäfer [ 1 ]

Es gibt sie tatsächlich immer noch. Diejenigen, die fünfzehn, zwanzig oder mehr Semester studieren, die ewigen Studenten. Sie wurden in der Vergangenheit nicht gern gesehen und sie werden in der Gegenwart durch Studiengebühren über die Regelstudienzeit hinaus zur Kasse gebeten. Die Gesellschaft sieht sie als Schmarotzer und Taugenichtse. Dieses Bild von den ewigen Studenten ist nicht ganz unbegründet. Denn was diese Menschen als ganz passables, angenehmes Leben bewerten, ist nicht der Sinn der staatlichen oder auch familiären Förderung des Lernens und Studierens. Wer schon die Fähigkeit besitzt, sich in einem Studium mit höherer Weisheit zu beschäftigen, der tut es nicht um des Beschäftigen willens, sondern um es in irgendeiner Weise in die Gesellschaft einzubringen. Er soll in der Lage sein, Bekanntes anzuwenden und Neues zu erforschen.

Leider gibt es so etwas wie "ewige Studenten" auch im Christentum. Und das ist nichts Neues. Paulus schreibt schon im 2Tim 3:7 von Menschen, die unentwegt lernen, aber letztlich nie das Gelernte im Leben umsetzen. Das sind Menschen, die die christliche Grundlage im Umgang mit anderen Menschen lernen, die auf der Suche nach einer guten Gottesbeziehung sind und alles über Gebet, über das Lesen der Bibel, über das Weitergeben der Botschaft Christi und über seine Vergebung und seine Versöhnung lernen. Dies alles aber setzen sie in ihrem Leben nicht um. Auch sind diese christlichen "ewigen Studenten" auch immer wieder auf der Suche nach ihren eigenen Gaben. Sie besuchen Seminare, sie füllen Gabentests aus, sie diskutieren über die Auswirkungen von Gaben und finden doch ihre eigene Gabe und insbesondere ihre eigene Aufgabe nicht. Denn es scheint nichts zu ihnen zu passen. Und so kommen sie nie dazu, irgend eine Aufgabe, einen Dienst treu in ihrem Leben umzusetzen. In vielen Fällen sind diese ewig lernenden Christen auch nicht unbedingt am Lernen interessiert. Vielmehr ist es die schöne Gemeinschaft, das nette Zusammensein und vielleicht ab einem gewissen Zeitpunkt auch einfach nur die Gewohnheit, die diese Christen "Lernende" sein lässt.

Manch einer mag sagen das reicht. Wenn doch diese Menschen einfach nur Vergebung der Sünden erfahren haben, so ist ihnen das Beste geschehen. Sie sind gerettet. Doch gerade hier stellt sich eine quälende Frage: Ist der Sinn der Erlösung mit der Vergebung der Sünden voll umfänglich erreicht? Könnte es nicht zu einer tiefen Verfehlung wie bei den ewigen Studenten kommen, wenn wir die Sündenvergebung durch Christus verstanden haben, sie aber in ihrem Sinn nicht wirklich leben?



Erlösung ist auch ...

Jesus zeichnete im Gleichnis der anvertrauten Talente (Mt 25:14-30) wie auch in den anderen Gleichnissen in Mt 25 ein Bild, das den Nutzen der Erlösung des Menschen für sein eigenes Reich darstellt. Natürlich ist es Gnade und natürlich ist es die Liebe Gottes zu den Menschen, die ihn zur Erlösung des Menschen veranlasst hat. Dennoch geht die Rettung darüber hinaus. Jesus vergleicht die Erlösung des Menschen auch mit einem Verwaltungsauftrag. Der Mensch wird nicht erlöst, um sich in der Erlösung zu baden. Er wurde von der Dienstbarkeit der Sünde in die Dienstbarkeit des Reiches Gottes gestellt. Dies wird besonders an dem Knecht deutlich, der nur ein Talent empfangen hat und der damit in keinerlei Weise arbeitet und es auch nicht auf der Bank arbeiten lässt. Damit ist das Geld nur aufbewahrt. Aber Geld aufzubewahren entspricht nicht dem Wesen eines ehrgeizigen Händlers oder Gutsbesitzers. Der Besitzer will mehr. Gott will mehr! Es liegt im Wesen Gottes, sein Reich auszudehnen. Demnach liegt es auch im Wesen der Verwalterschaft, mit dem anvertrauten Gut im Sinne des Verwalters und im Sinne des Geldes umzugehen (Mt 25:26-27). Jesus erwartet, dass der Erlöste seinem Reich nützlich ist (Mt 25:30).

Was dieser reiche Mann in dem Gleichnis seinen Knechten anvertraut hat, war keine Kleinigkeit. In die heutigen Verhältnisse umgerechnet ist ein Talent ungefähr 300000.- wert. Wer so viel einem anderen anvertraut, erwartet einen sachgemäßen Umgang damit. Wenn Gott uns aus der Schuld befreit und uns damit lebensfähig macht, so erwartet er einen sachgemäßen Umgang mit unserem Leben. Und ein solcher Umgang ist nicht unendliches Lernen in Bibelstunden und Predigten, sondern daraus Schlüsse zu ziehen, ein Weitertragen dessen, was gelernt wurde. Ein solches Weitertragen geschieht nach dem Maß, das Gott dem Einzelnen gegeben hat. Dem einen hat er ein Talent gegeben, dem anderen zehn. Gott erwartet nicht, dass wir über das hinaus für sein Reich wirksam sind, als er uns gegeben hat. Aber er erwartet, dass wir mit dem, was wir haben, verantwortlich umgehen. Und hat uns Gott nicht über die Maßen gegeben? Vielleicht ist es an der Zeit, uns in einer stillen Stunde mit Gott neu bewusst zu werden, was er uns denn alles gegeben hat. Wie würde denn unser Leben aussehen ohne Gott? Wie wäre es verlaufen oder wie würde es sich gestalten, wenn wir ihn nicht kennen würden?

Alles, was er uns gegeben hat, ist unbeschränkt einsetzbar. Es ist nicht für die Gemeinde begrenzt. Jeder Christ kann zu jeder Zeit nach seinem Vermögen mit Gütern, Gaben und veränderter Einsicht handeln. Es ist nicht nur ein freiwilliges Dienenkönnen, sondern es entspricht dem Wesen der Erlösung, sich in der Aufopferung entsprechend seiner Möglichkeiten ins Reich Gottes zu geben (Eph 2:10). Und Gott wird am Ende sehen, was wir mit unseren Talenten gemacht haben. Es wird eine unangenehme Begegnung werden mit Gott, wenn wir IHM nur zur Antwort geben können: "Ich habe die Erlösung, die DU mir gegeben hast, sorgfältig aufbewahrt. Ich gebe sie DIR zurück. Sie hat mir Hoffnung und Zuversicht in meinem Leben gegeben. Aber ich hatte Angst, sie anderen Menschen gegenüber einzusetzen. Ich hatte Angst, sie würden über meinen gottesfürchtigen Lebensstil lachen, sie würden meine Hingabe ausnutzen und meine liebevolle Beziehung missbrauchen. Ich hatte Angst, sie würden DICH aufgrund meines Auftretens auslachen und verachten". Gott wird auf solche oder ähnliche Aussagen keine tröstenden Worte haben. Er wird deutlich machen, dass es der größte Spott und Hohn ihm gegenüber ist, nicht in der Natur des Evangeliums gelebt zu haben. Er wird wegschicken und verdeutlichen, dass wer in diesem Leben nicht nach dem Evangelium gelebt hat, sich auch nicht für die froh machende Botschaft in der Ewigkeit bewährt hat.



... der Weg zum bewährten Leben für die Ewigkeit

Als erlöster Menschen leben bedeutet, immer im Blick auf die Ewigkeit zu leben. Es ist aber nicht ein angstvolles auf die Wiederkunft Christi Blicken. Es ist ein Überzeugtsein vom Reich Gottes, eine Identifikation als Verwalter Gottes, die uns zu einem echten Diener und damit zu einem guten Verwalter macht. Wer sich als Verwalter Gottes identifiziert, wird nicht aus Angst, sondern im Sinne des Reiches Gottes handeln. Er wird wissen, dass er nicht nur Bewahrer, sondern ein handelnder Verwalter ist. Er ist durch und durch ein Verwalter Gottes. Er denkt wie ein Verwalter. Er fühlt wie ein Verwalter. Er handelt wie ein Verwalter Gottes. Um das zu können, muss er wissen, was ihm anvertraut ist. Er muss die Möglichkeiten dessen kennen, was ihm von Gott gegeben ist.

Zum einen muss ein Verwalter Gottes die Bedeutung der Erlösung kennen. So ist die Erlösung eben nicht nur ein Loskaufen von der Sünde und ein Freifahrtschein für den Himmel. Sondern sie ist eine Berufung als Verwalter Gottes.In Eph 4:8 schreibt Paulus davon, dass Christus Gefangene gemacht hat. Christus hat nicht Befreite gemacht, die tun und lassen können was sie wollen. Sondern er hat Gefangene gemacht, solche die in der Verwalterschaft des Guten stehen, die in der Verwalterschaft Gottes stehen. Erlösung ist eine Berufung zum Leben im Licht (1Petr 2:9) und genau das ist Verwalterschaft. Ein Leben als Priester, als König und als Verkündiger.

Im weiteren muss ein Verwalter Gottes das kennen, was ihm Gott anvertraut hat. Damit sind zum einen die geistlichen Gaben gemeint. Natürlich muss der Verwalter wissen, was er verwalten muss. Mit dem gefangen geführt werden von erlösten Menschen zeigt Paulus die direkte Verbindung mit den geistlichen Gaben auf Eph 4:8. Aber nicht nur die geistlichen Gaben sind von Gott gegeben. Meine Lebensumstände (Hab und Gut, Beruf, Kinder ...), meine Persönlichkeit und all das, was Gott ins Leben hineingelegt hat (Gesundheitszustand, Intelligenz...), gehören zur Verwalterschaft. All das bestimmt die Aufgabe und die Verantwortung als Verwalter Gottes.

Es geht in der Verwalterschaft nicht um mehr Erfolg. Sondern es geht um die Treue. Es geht um die Treue, mit dem zu handeln, was uns Gott gegeben hat. So wird auch der Verwalter, der zwei Talente bekommen hat und zwei dazugewonnen hat in gleicher Weise gelobt wie der, der fünf hatte und fünf dazugewonnen hatte. Aber nichts mit dem Anvertrauten zu tun, das ist sträflich. Jeder mit seinem Maß, aber mit seinem Maß ganz.

[ 1 ] Der Autor, Rene Schäfer , Master of Theology (UNISA), ist Leiter der Deutschen Inland Mission (DIM).



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Copyright (C) 2007 by Rene Schäfer / EFG Berlin Hohenstaufenstr.de. Alle Rechte vorbehalten
Abdruck mit freundlicher Genehmigung.
Dieser Artikel erschien zuerst in der Zeitschrift der Brüdergemeinden "PERSPEKTIVE" Nr. 5/2007
Dieses Papier ist ausschließlich für den persönlichen Gebrauch bestimmt.
URL: http://www.efg-hohenstaufenstr.de/downloads/bibel/nachfolge-schaefer.html
Ins Netz gesetzt am 10.05.2007; letzte Änderung: 21.06.2007
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