Was unterscheidet Jesus Christus von Mohammed und Buddha?

Jesus Christus und die Religionen

von Ulrich Neuenhausen

Ich muss Sie vor diesem Artikel warnen! Wenn Christen über andere Religionen reden, dann ist die Erwartung, dass sie Falsches, Böses oder einfach nur Lächerliches in den Religionen entdecken. Manche können jeder Religion nachweisen, dass sie okkult belastet ist, andere sind spezialisiert darauf, Irrtümer und innere Widersprüche aufzuzeigen, wieder andere finde am meisten Gefallen daran, auf die katastrophale und ungerechte Entwicklung einer Religion in der Geschichte hinzuweisen. All das möchte und kann ich nicht tun. Im Gegenteil: wenn ich über Religion rede, dann ist mein Anliegen nicht die Diffamierung eines Glaubens, sondern die Sprachfähigkeit zwischen Religionen.


1. Die Diffamierung anderer Religionen

Übrigens ist die Diffamierung anderer Religionen kein Vorrecht der Christen. Natürlich machen andere Religionen das Gleich mit dem Christentum. So kennt besipielsweise der Islam die Frage, ob Jesus unbeherrscht war, weil er im Tempel mit Strick um sich schlug, und rücksichtslos, weil er die Schweineherde der armen Gadarener ins Meer trieb. Ein Buddhist sieht im aufrechten Sterben Jesu einen Mangel an Ruhe in sich selbst. Buddha starb liegend, in sich selbst ruhend, nicht kämpferisch. Entsprechend zeige sich auch das Christentum als eine kämpferische Religion, der Buddhismus dagegen sei außerordentlich friedlich.

Jesus hat meines Wissens nur ein Mal die Frage angesprochen, welche von zwei Religionen Recht haben. Im Gespräch mit einer samaritischen Frau erklärt er zum Streit zwischen Samaritern und Juden, dass die Juden den wahren Tempel haben, die Samariter nicht (Joh 4,22). Jesus klärte diese Frage am Ende des Gespräches, und nicht zu Anfang, und er schnitt das Thema auch nicht selber an, sondern ließ es sich von der Samariterin aufdrängen.


2. Warum vergleichen?

Warum also sollten wir überhaupt einen Vergleich anstellen? Ich bin überzeugt, dass wir uns Christen je länger je mehr den Anfragen anderer Religionen stellen müssen. Wir müssen wissen, warum wir glauben, was wir glauben. Wir haben lange genug gedacht, der Islam sei so unlogisch und unglaubwürdig, dass eine simple und oberflächliche Beschäftigung mit dem Islam für jeden Christen genug sei. Das ist nicht mehr der Fall. Eine Reihe von Muslimen können ihren Glauben sehr gut erklären und vermitteln, und tun das sowohl privat aus auch mit Hilfe der Medien. Muslime kennen die Schwächen unserer Argumente und scheuen sich nicht, auf Widersprüche unserer Aussagen zur Bibel hinzuweisen. Deshalb brauchen wir den Vergleich: Was hat Jesus, was ihn positiv von anderen Religionsgründern unterscheidet?

Vergleichen wir also Jesus mit den "anderen".


3. Das Leben Mohammeds

Es gibt im islamischen Glauben über 100 000 Propheten. Sie kamen meist zu einem bestimmten Volk, um es zu warnen und zur Umkehr zu Allah zu rufen. Ihre Botschaft war immer die gleiche. So auch bei Mohammed. Er war einerseits kein einzigartiger Prophet, kein neues Phänomen, andererseits aber doch der Größte aller Propheten und auch der letzte Prophet.

Mohammed wurde 570 in Mekka geboren. Als Mohammed erwachsen geworden war, trat er in den Dienst einer wohlhabenden Kaufmannswitwe, Khadija. Im Jahre 595 heiratet Mohammed seine ca. 15 Jahre ältere Chefin. Von den sechs Kindern dieser Ehe überlebten vier Mädchen, unter anderem die berühmte Fatima.

Im Jahre 610 erlebt Mohammed seine Berufung von Allah. Mohammed empfängt die ersten Suren des Koran und fängt sofort an, ihn in seiner heidnischen Umgebung zu predigen. Anfangs predigt Mohammed vor allem den Monotheismus. Diese Predigt richtet sich in erster Linie gegen die Götzen seiner Zeit.

Mohammed hatte wohl erwartet, dass nicht nur die arabischen Stämme, sondern auch die Juden und Christen ihn als Prophet anerkennen würden, da ja seine Botschaft in scheinbarer Übereinstimmung mit ihren Büchern war. Die Juden wurden jedoch immer entschiedenere Gegner Mohammeds und verspotteten ihn schließlich sogar.

Der Koran behauptet nicht die Sündlosigkeit Mohammeds oder der Propheten, im Gegensatz zur späteren islamischen Theologie. Trotzdem sehen heute Muslime die Vollkommenheit Mohammeds sowie seine Erfolge als Staatenlenker und Prophet als Bestätigung für seine göttliche Beauftragung.

Im Jahre 622 muss Mohammed aus Mekka fliehen. Ungefähr 70 Menschen begleiten ihn auf seiner Flucht. Es gab vorher schon Kontakte nach Medina, und auch eine Reihe von Gläubigen des Islam, die für den Schutz der kleinen Religionsgemeinschaft eintraten.

Diese Auswanderung nach Medina wird Hijra genannt. Die Hijra ist ein entscheidendes Datum im islamischen Denken. Die Suren des Koran werden in die Zeit vor und die Zeit nach der Hijra eingeteilt. Der islamische Kalender beginnt mit der Hijra als dem Jahr Null.

Warum ist die Hijra so bedeutend? In Medina erfüllt sich, was der Islam eigentlich will: Es entsteht eine islamisch-theokratische Regierungsform. Seine Botschaft war nun nicht mehr nur mit dem Jenseits beschäftigt, sondern auch mit den allgemeinen Dingen des Lebens, des Gemeinwesens und des Einzelnen.

Mohammed überfiel gelegentlich Karawanen aus Mekka. Die Mekkaner reagierten 624 schließlich mit Krieg. Nach einer Reihe von Schlachten errang Mohammed 630 endgültig den Sieg über die Mekkaner und zog triumphierend in seine Vaterstadt ein. Im Jahre 632 n.Chr. pilgerte Mohammed ein letztes Mal mit 80 000 Anhängern nach Mekka und schuf so ein Vorbild für die muslimischen Wallfahrten nach Mekka. Im gleichen Jahr starb er an einer Krankheit, ohne einen Nachfolger zu benennen oder einen Sohn zu hinterlassen.


4. Nicht miteinander zu vergleichen

Mohammed war ein großer und berühmter Mann. Seine Religion hat das Gesicht des Orients verändert, und es hätte nicht viel gefehlt, dann wäre auch Europa islamisiert worden. Seine Nachfolger haben ein riesiges Gebiet erobert und ein noch viel größeres Gebiet missionarisch durchdrungen. Wer den mächtigen und religiösen Feldherrn Mohammed mit dem unscheinbaren Galiläer vergleichen will, der auf einem Esel in Jerusalem einzog, um dort hingerichtet zu werden, der findet keine gemeinsame Basis. Jesus und Mohammed lassen sich als "Menschen" nicht vergleichen. Mohammed kämpfte für den Monotheismus, Jesus Christus starb für die Wahrheit. Mohammed starb und hinterließ seinen Nachfolgern einen bis heute dauernden Streit um die Frage, wer seine Führungsposition als Khalif einnehmen darf. Jesus Christus starb und lebt wieder, und bringt bis heute Menschen und sogar ganze Kirchen dazu, sich zu versöhnen, solange sie Jesus Christus in der Mitte haben. Mohammed brachte ein sichtbares Gottesreich, in dem Menschen ihren Glauben leben können und zuweilen auch müssen. Jesus Christus brachte ein unsichtbares Königreich, in dem jeder Mensch, egal wo auf der Erde, in jedem Augenblick Bürger werden kann. Die Ziele und der Glaube dieser beiden Personen waren so unterschiedlich, dass man nicht sie nicht miteinander vergleichen kann.

Jesus Christus beanspruchte für sich selbst, nicht nur Bote Gottes zu sein, also nicht nur etwas von Gott erzählen zu wollen, sondern auch Mittler, direkter Gesandter, Inhalt der Botschaft zu sein. Er verkündete das Königreich Gottes, und er war das Königreich Gottes. Er machte mit Gott bekannt, indem er Menschen mit sich bekannt machte. Er rief zur Umkehr, indem er aufrief, ihm nachzufolgen. Jesus Christus empfing nicht nur eine Botschaft von Gott, er war die Botschaft Gottes. Wer ihn sah, der sah Gott, wer ihm glaubte, der glaubte Gott, wer ihm folgte, der gehorchte Gott.


5. Weit mehr als ein Prophet

Deshalb ist der Titel "Prophet", den jeder Muslim Jesus zugesteht, zu wenig, um Jesus Christus zu beschreiben. Im gewissen Sinne ist "Prophet" eine Abwertung Jesu: Ein Muslim meint damit, dass er nicht mehr als Mohammed war, eigentlich sogar weniger, weil erst mit Mohammed die ganze Botschaft Gottes bekannt wurde.

Der Unterschied zwischen Mohammed und Jesus wird am Leben beider deutlich: Mohammed erlebte nach islamischer Überlieferung einige Wunder, allen voran die Offenbarung des Koran. Jesus Christus erlebte nicht nur Wunder, er tat die Wunder. Nicht mal ein Gebet war nötig, um einen Sturm zum Schweigen zu bringen: Es reichte, dass Jesus sprach - und es geschah (Mt 8,23-27). Der Bericht von der Stillung des Sturms erzählt auch, dass selbst die Jünger Jesu sich nicht mehr erklären konnten, wie ein Mensch eine solche Vollmacht haben kann: Was für einer ist dieser, dass auch die Winde und der See ihm gehorchen? Jesus Christus gab keine philosophische Definition davon, wer er war - er demonstrierte es in seinen Wundern und in seiner Lehre.


6. Und Buddha?

Buddha war Atheist. Er glaubte nicht an Götter, Geister oder ähnliches. Er glaubte auch nicht an die Existenz von Materie, oder von einem tatsächlich existierenden "Ich". Als Prinz an einem reichen Hof aufgewachsen war er schockiert, als er das Leiden außerhalb der Gartenmauern des väterlichen Palastes entdeckte. Dieses Leiden war so sinnlos, so unerklärlich, wie es auch heute vielen Menschen ist, die Gott fragen, warum er das Böse in der Welt zulässt. Buddhas Antwort auf das Leiden ist deshalb auch, dass es kein Leiden gibt. Und keine Erde und keinen Menschen. Alles ist Illusion, und der Weg zur Befreiung aus dieser Illusion ist die Einsicht, dass es mich und alles andere gar nicht gibt.

Buddha lebte einen sogenannten mittleren Weg, zwischen strenger Askese und normalem Leben. Er sammelte, ähnlich wie Jesus, eine Reihe von Jüngern um sich. Mit 80 Jahren starb er im Kreis seiner Jüngern, friedlich und "erlöst". Jesus beanwortete die Frage nach dem Leiden von Gott her, Buddhas von einem Schicksal her, dass er dharma nannte. Jesus reagierte auf das Leiden mit der Bereitschaft, selbst zu leiden, Buddha zeigte, wie er dem Leiden entkam. Jesus überwindet den Tod und degradiert ihn zu einem flüchtigen Übergangsstadium in eine Welt in ohne Tränen, Buddha integriert den Tod und betrachtet ihn als die Befreiung selbst, das erlösende Nichts. Buddhas Lehre ist uneinheitlich, unscharf und im Laufe der Geschichte des Buddhismus vielen Ergänzungen und Veränderungen unterworfen. Jesu Lehre ist Grundlage aller Kirchen und in Form der Bibel hervorragend bis heute erhalten geblieben. Erlösung im Buddhismus kann auf vielen verschiedenen Wegen geschehen, Erlösung bei Jesus geschieht nur am Kreuz.

Viele Menschen in der westlichen Welt sind Sympathisanten des Buddhismus. Das liegt unter anderem an der sehr großen Offenheit dieser Religion gegenüber anderen Ideen. Diese Offenheit entspricht der Mentalität postmoderner Menschen. Man kann Jesus von hier ausgehend zu Recht den Vorwurf machen, dass sein Ansatz zur Erlösung der Menschen sehr eng und schmal ist. Solange Religion nur ein System ist, eine nützliche Lehre oder eine interessante und in Dogmen gefasste Lebenserfahrung, ist dieser Vorwurf auch berechtigt. Es gibt nur einen Umstand, der die Haltung Jesu entschuldigen kann: wenn das, was Jesus sagte und tat, wirklich die Wahrheit ist.

Jesu Wahrheitsanspruch bestätigt sich in den Zeichen, die er tut. Die Wunder Buddhas sind seine Erleuchtung, seine erste Predigt und sein Tod. Jesu Wahrheitsanspruch bestätigt sich in seiner Auferstehung. Buddhas Leichnam ist bis heute nicht mehr lebendig geworden.


7. Gottes Logik sprengt unseren Verstand

Wenn ich nichts anderes wüsste und Buddha lehrte mich seinen Weg, könnte ich ihm folgen, weil er meiner Logik entspricht. Wenn aber Gottes Logik offenbart wird, dann darf sie auch meinen Verstand sprengen und einen ganz eigenen Weg gehen. Das ist der Weg ans Kreuz, den Juden ein Ärgernis, den Griechen eine Dummheit, den Buddhisten unlogisch und den Muslimen eine Provokation.

Religionen sind menschlich reizvoll, haben gute Argumente und beeindruckende Zeugnisse - aber es fehlt ihnen die Wahrheit, und damit die göttliche Bestätigung. Wenn Gott spricht, muss das nicht meiner Logik entsprechen. Aber es muss sich als wahr erweisen, es muss mehr sein als eine abstrakte Lehre - der wahre Gott muss ein Gott sein, der in der Geschichte handelt und spricht. Das Zeugnis vom Gott Israels und Gott Jesu ist einzigartig in der Welt der Religionen, weil es nicht Illusion ist, weil es sich auf wirklich geschehene Geschichte bezieht.

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Copyright 2004 by Ulrich Neuenhausen. Alle Rechte vorbehalten.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung.
Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift der Brüdergemeinden "Perspektive" Nr. 12/2004
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Ins Netz gesetzt am 28.02.2005; letzte Änderung: 03.03.2005
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