Die "Apantesis" - Die Abholung des Herrn durch die Gemeinde

Bei der Parusie Christi wird die Gemeinde ihrem Herrn "entgegengerückt",
um ihn abzuholen und ihn auf seinem Weg zur Erde zu begleiten.

Kommentar [ 1 ] zu 1Thess 4,17 von F.F. Bruce


Die Wiederkunft des Herrn Jesus Christus

In seinem ersten Brief an die Thessalonicher beschreibt der Apostel Paulus in dem vierten Kapitel ein besonderes Ereignis, das bei der Wiederkunft von Jesus (Parusie) stattfinden wird.

Wenn Jesus Chritust beim Schall der Posaune in Macht und Herrlichkeit vom Himmel herabsteigt (V. 16) wird die Gemeinde (die noch lebenden Christen und die im Herrn entschlafenen [sie werden von den Toten auferweckt] dem Herrn entgegengerückt werden. Sie wird in der Luft (in den Wolken V.17) mit dem Herrn zusammentreffen, den Herrn auf seinem Weg zur Erde begleiten und für immer mit ihrem Retter, Erlöser und wunderbaren Herrn vereint sein.

Daß der Herr Jesus Christus bei seiner Parusie auf die Erde zurückkommt, ist explizit gesagt: Der Herr kommt herab vom Himmel (V. 16). Lauter Schall wird ihn ankündigen; könnte noch deutlich gesagt werden, daß es sich hierbei um ein für alle Menschen erfahrbares, sichtbares und hörbares Ereignis handelt? Die Parusie, also das sichtbare und leibliche Wiederkommen von Jesus Christus auf die Erde, ist der Tag, an dem der allmächtige Herr kommen wird, um Gericht zu üben und sein Reich aufzurichten.

Die Hoffnung auf diesen wunderbaren Tag der Wiederkunft soll die Christen ermutigen und anspornen, ganz hingegeben und erwartungsvoll ihrem Herrn entgegenzusehen. Es ist ausdrücklich der Wunsch des Apostels, daß Christen sich gegenseitig in der frohen Erwartung ihres Herrn aufbauen und stärken - gerade bei allem scharfen Gegenwind, der Christen von einer ihnen feindlich gesonnen Umwelt entgegenwehen mag! Auch die sich hinauszögernde Parusie soll Nachfolger Christi nicht davon abhalten, unberirrt auf die Parusie ihres Meisters ausgerichtet zu sein!


Der Bibeltext

Revidierte Elberfelder Übersetzung:

    1Thessalonicher 4,13ff

    13 Wir wollen euch aber, Brüder, nicht in Unkenntnis lassen über die Entschlafenen, damit ihr nicht betrübt seid wie die Übrigen, die keine Hoffnung haben.

    14 Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, wird auch Gott ebenso die Entschlafenen durch Jesus mit ihm bringen.

    15 Denn dies sagen wir euch in einem Wort des Herrn, dass wir, die Lebenden, die übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden.

    16 Denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels und bei dem Schall der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen;

    17 danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein.

    18 So ermuntert nun einander mit diesen Worten!


Kommentar zur Stelle

F.F. Bruce kommentiert diese Stelle wie folgt:

    16 Er selbst der Herr: Die Hervorhebung ist im Griech. mit Apg 1,11 verwandt: »Dieser Jesus«. Beim Befehlsruf (EÜ): Griech.: keleusma, das Wort begegnet im AT nur noch Spr 30,27. Ob mit Erzengel an Michael oder ob überhaupt an einen bestimmten Engel zu denken ist, ist unsicher. Die Posaune Gottes. Vgl. Mt 24,31; 1Kor 15,52 (die letzte Posaune). Der Befehl, der Ruf und die Posaune sind u. U. Bilder für die gleiche Sache. Sprachlich wird an die Theophanien (Gotteserscheinungen) des AT angeknüpft: vgl. z.B. Joel 2,1ff, bes. V.11. Die Toten, die in Christus gestorben sind - Vgl. Komm. zu V.14; 1Kor 15,18; Offb 14,13.

    17 Entrücktwerden, griech.: Harpagesometha, - von daher bedeutet Entrückung eigentlich ein »Hinweggerissenwerden« der Heiligen. Auf den Wolken. Vgl. Dan 7,13; Mk 13,26; 14,62; Offb. 1,7. Die Wolken, die das Kommen des Menschensohns einkleiden, sind wie die Wolken bei der Verklärung (Mk 9,7) und der Himmelfahrt (Apg 1,9) Zeichen einer Theophanie. Die Wolke deutet die (verhüllte) Gegenwart der göttlichen Herrlichkeit an, die die Juden Schekina nannten (vgl. 2Mo 24,15ff; 40,34ff;1Kö 8,10f).

    In die Luft dem Herrn entgegen, griech.: "eis apantesin tou kyriou". Wenn in hellenistischer Zeit ein Würdenträger (der Regierung) einer Stadt einen offiziellen Besuch (parousia) abstattete, zogen ihm die führenden Bürger entgegen, um ihn willkommen zu heißen und auf dem letzten Stück der Reise zu geleiten. Das nannte man die "apantesis". Das Wort wird mit ähnlichem Sinn Mt 25,6 und Apg 28,15 gebraucht. Es ist ein sprechendes Bild: Der Herr wird von den Seinen das letzte Stück auf seinem Weg zur Erde begleitet, wobei die jetzt erst von den Toten Auferweckten und die, die am Leben geblieben waren, vereint werden. Werden wir bei dem Herrn sein allezeit: Der Höhepunkt der Glückseligkeit.

[ 1 ] Quelle: D. Guthrie & J.A. Motyer (Übersetzung und Bearbeitung Helmut Egelkraut et al.), Brockhaus Kommentar zur Bibel, Matthäus - Offenbarung, Band 4, Wuppertal: R. Brockhaus-Verlag, 1985, S. 442



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