Ewige Verdammnis oder "Allversöhnung"?

Kommen am Ende alle Menschen in den Himmel?


von Manfred Klatt [ 1 ]


Das kommende Gericht Gottes in seiner ganzen Konsequenz für die Ewigkeit wird heute kaum zur Sprache gebracht. Die entsprechenden Aussagen der Heiligen Schrift werden schweigend übergangen oder umgedeutet. Auch wir möchten nicht gerne als solche verdächtigt werden, die mit dem Gericht drohen oder mit der Hölle Angst machen.

Wie aber gehen wir mit den biblischen Inhalten von Gericht und ewiger Verdammnis um? Können wir diesen Aspekt des Evangeliums (!) folgenlos vernachlässigen, nur weil er nicht in die "Landschaft des Zeitgeistes" passt? Es gibt viele Versuche, die Wirklichkeit der ewigen Verlorenheit zu relativieren.

- Die einen verdrängen sie.

- Andere, auch "bibeltreue Christen", deuten die betreffenden Bibeltexte um oder verharmlosen sie bis zur Bedeutungslosigkeit. Mit konstruierten Begründungen werden jene Bibelstellen so ausgelegt, dass es schließlich überhaupt keine Verdammnis bzw. Hölle mehr gibt.

 

Gerettet oder ewig verloren?

1. Die Sendung Jesu in diese Welt stand unter der Zielsetzung, Menschen zu retten vor dem kommenden Zorngericht Gottes und aus ihrem Verlorensein: Lukas 19,10; Johannes 3,16.36; Römer 1,18; 2,5-9; Markus 16,16. Bis zum letzten Blatt der Bibel gibt es keine Weiterentwicklung zu einer "tieferen Erkenntnis", etwa der sogenannten "Allversöhnung": Offenbarung 20,10.1415; 21,8; 22,15. "Es handelt sich bei der Lehre von der Hölle um eine Lehre, von der es ganz klar ist, dass sie von Jesus selbst stammt" (Michael Griffith; vgl. Matthäus 13,4142; Markus 9, 47-48). Wer den Ernst der Sünde als Rebellion gegen Gott und den angekündigten "ewigen Tod" im Neuen Testament nicht verharmlosen will, ahnt, welch ein Gewicht die Rettung durch Gottes Gnade hat. "Rettung" ist kein dramatisierender Begriff. Er entspricht durchaus dem Ernst ewiger Gottesferne und Verdammnis. "Es ist furchtbar, (unerlöst) in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen" (Hebräer 10,31).

Aber es gibt heute Rettung aus dem ewigen Verderben! Die frohe Botschaft aus Jesu Mund lautet:" Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht in das Gericht" (Johannes 5,24).

2. Gott ist gerecht in Gericht und Gnade. Nicht erst heute besteht die Neigung zu einer einseitig missverstandenen Liebe Gottes. Es ist für ein gesundes Gottesbild wichtig zu erkennen, dass Gott heilig und gerecht ist, sowohl in seiner Liebe und Gnade als auch in seinem Gerichtshandeln. Und dazu gehören ewiges Leben und ewige Strafe: Matthäus 25,41.46. Diese Spannung zwischen seiner Barmherzigkeit und Heiligkeit haben wir im biblischen Sinn zu respektieren, ungeachtet unserer Wunschvorstellung oder kurzsichtigen Logik. Das ist gewiss: Gott richtet gerecht! (Psalm 7,12; Johannes 5,30).

3. Gottes Einsatz zu unserer Rettung ist von uns kaum auszuloten. Wenn uns sein ewiges Gericht zu hart erscheinen mag, dürfen wir nicht übersehen, was er mit der Hingabe seines Sohnes in die Hände seiner Feinde geleistet hat. Er gab ihn frei zur Folterung und schändlichsten Hinrichtung ... Das Höchste und Äußerste hat Gott eingesetzt, um seine sündigen Geschöpfe aus ewiger Verdammnis zu retten! Bis ans Kreuz hat sein Sohn immer wieder geworben und eingeladen zur Umkehr und Glauben.

Aber er nimmt unseren Willen und unsere Entscheidung ernst. Sowohl im Himmel wie in der Hölle gibt es nur "Freiwillige". Wir können den Glauben verweigern und Gottes Gnade "wirkungslos" machen und damit unter "dem Zorn Gottes bleiben" - endlos: Markus 10,45; Lukas 7,30; 13,34; Johannes 3,36. Es wäre lieblos, ja tragisch und menschenverachtend, wenn Gott uns in seinem Wort über die Ewigkeit im Unklaren ließe.

4. Weil Gott ein Gott der Liebe ist, so folgert man, könne es keine ewige Verdammnis geben. Aber wer sind wir, dass wir beurteilen könnten, was in Gottes Ratschluss sein kann und was nicht sein kann? - Gott hat sich selbst und seinen Heilsplan verbindlich in seinem Wort der Bibel geoffenbart. Daher gehört es zu einer geistlichen Haltung, alle menschlichen Vernunftschlüsse und Gedanken "unter den Gehorsam Christi" zu stellen (2. Korinther 10,3-6). "Den Demütigen gibt Gott Gnade."

Wer sich der Liebe Gottes öffnet und sich seiner gnädigen Herrschaft im Glauben unterstellt, dem gilt die befreiende Verheißung, "dass wir Freimütigkeit haben am Tage des Gerichts" (1. Johannes 4,17).

 

Was die Allversöhnung lehrt

Nach Schumacher lehrt die Allversöhnung folgendes:

"Das Endziel unseres Rettergottes mit allen erschaffenen Wesen, das Sein Liebeswille von jeher ins Auge gefaßt hat, für dessen Erreichung Jesus am Kreuz die Sühnung aller Sünden der Welt erwirkte, und dem die göttlichen Gerichte die Wege bahnen, besteht darin:

alle Menschen in die Stellung von Gerechten zu bringen

alle Menschen zu retten

Israel durch Gerichte zu retten

die Lippen der Völker in reine Lippen umzuwandeln, damit sie alle den Namen des Herrn anrufen und Ihm einmütig dienen

sich aller zu erbarmen, die aus Juden und Heiden jed in Widerspenstigkeit verstrickt waren

die Schöpfung freizumachen von der Knechtschaft des Verderbnisses zu der Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes

alles neu zu machen

das All in dem Christus harmonisch zu vereinigen

das All wirksam zu versöhnen

alles Todeswesen aufzuheben

so daß einmal:

alle Gerichteten den Vater und den Sohn in gleicher Weise ehren

alle Zungen der Himmlischen, Irdischen und Unterirdischen frei heraus bekennen und bejahen:"Jesus Christus ist der Herr!"

jedes Geschöpf in den Himmel und auf der Erde und unter der Erde und auf dem Meer, und alles, was in ihnen ist, Ihm die Segnungen und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht zuspricht

Gott alles in allen ist."

Weitere Zitate:

"Gericht bewirkt Gotteserkenntnis, Reinigung, Besserung, Heil!"

"Der ganze Streit um "ewig" und "Ewigkeit" könnte im Grunde wegfallen, weil diese Begriffe nach biblischem Sprachgebrauch die Frage nach der Endlosigkeit oder Endlichkeit offen lassen. Es gibt nun aber Gott sei Dank genügend anderes Schriftworte und -zusammenhänge, die zeigen, daß die "ewige Pein" einmal endet!"

"Gott versteht unter einem "ewigen Feuer" ein ernstes, ein furchtbarea, ein äonenlang währendes aber eben kein endloses Feuergericht, sondern ein solches, das einmal gewendet wird!"

"Der Herr wird in Seiner Weisheit und Gnade alle dahin bringen, daß alle wollen und alle glauben und alle errettet werden. Gerettet werden all, aber nicht alle auf die gleiche Art und Weise."

Quelle: Heinz Schumacher, ... und Gott wird sein alles in allen, Heilbronn: Paulus-Verlag Karl Geyer, 1977

 

Allversöhnung als "menschlicher" Lösungsversuch

1. Neben den Allversöhnungsgedanken in den Weltreligionen waren der Kirchenvater Clemens von Alexandrien (150-215), sein Schüler Origines (185-254) und Gregor von Nyssa (330-396) die ersten christlichen Vertreter der Allaussöhnung. In dem von der griechischen Philosophie bzw. Gnosis geprägten Lehrsystem des Origines ist am Ende sogar die Erlösung des Teufels möglich. Seine Begründungen sind für die Allversöhner im Wesentlichen dieselben geblieben. Wegen seiner theologischen Position wurde Origines der Häresie (Ketzerei) bezichtigt und im Jahr 553 n.Chr. von der Kirche verdammt.

Der Ausgangspunkt für die Entwicklung der Allversöhung war die Prämisse, daß - weil Gott gnädig ist - seine Bestrafung heilsam für die Sünder sein muß und nicht eine unendliche Straf für die Sünder sein kann. Aus diesem Grund betrachtete Clemens von Alexandrien Rache als etws, das nicht zu Gottes Wesen paßt. Nah Auffassung des Origines konnte die göttliche Züchtigung zwar je nach Schwere auf der Erde begangenen Sünden variieren, aber dennoch ging Gott grundsätzlich "wie ien Arzt mit den Sündern zum [und] die Wut seines Zornes ist so beschaffen, daß sie die Reinigung des Seels des Sünders nützt."

In ähnlicher Weise bestand Gregor von Nyssa darauf, daß "es nicht hauptsächlich und primär Strafe ist, was die Gottheit den Sündern auferlegt, sonder Er handelt, ..., nur um das Gute von den Böse zu trennen und es in die segensvolle Gemeinschaft zu ziehen."

Die Allversöhnung wurde durch Augustinus heftig verdammt und auf dem Konzil von Konstantinopel im Jahr 553 n.Chr. auch kirchenrechtlich verbindlich als Irrlehre bezeichnet.

Im Mittelalter war die Allversöhungslehre nachezu verschwunden. Luther lehnte sie entschieden ab, ebenso Calvin.

Der radikale Flügel der Reformation hingegen stand der Allversöhnung offen gegenüber. Über den deutschen Täuferführer Hans Denck (1495-1527) fand später die Allversöhnung Eingang in den radikalen deutschten Pietismus.

So fanden sich bis heute in der Kirchengeschichte immer wieder Befürworter der Allversöhnungslehre. Neben Sonderlingen waren auch bekannte Persönlichkeiten darunter.

Besonders im Schwabenland lebte diese Lehre (um 1700) wieder auf. Dabei spielte u.a. die Mystikerin und Visionärin Jane Leade aus England eine wichtige Rolle (nach Dr. Helge Stadelmann; idea-Dokumentation 3/1998).

Diese "Lehre" von der schließlichen Versöhnung aller Menschen und gefallenen Engel stammt aus zweifelhaften Quellen. Ob in radikaler oder gemäßigter Ausprägung, ob humanistisch oder "biblisch" begründet, in jedem Fall werden zahllose eindeutig widersprechende Schriftworte durch Umdeutung schwieriger Stellen und konstruierte Schlussfolgerungen ausgeblendet. Und das wird erhaben als "tiefere Erkenntnis" verstanden.

2. Bei der Allversöhnung geht es nicht zuletzt stark um die emotionale Ebene, die ersehnte Möglichkeit der Errettung aller, auch noch im Jenseits. Das ist menschlich verständlich. Gerade wenn uns nahestehende Menschen ohne Glauben sterben, kann uns deren Ewigkeit innerlich zutiefst aufwühlen. "Aber meine Befindlichkeit kann nicht Lehre begründen" (Pfr. W. Reuter). Es mag schmerzen, wenn in den reformatorischen Bekenntnisschriften als biblische Lehre festgehalten wird, dass "Jesus Christus ... die gottlosen Menschen aber und die Teufel in die Hölle und ewige Strafe verdammen wird" (CA, Artikel 17).

Schon vor uns schmerzte es den Herrn, der laut weinte über Menschen, die seine wiederholte Einladung zum Heil ausschlugen (Lukas 13,34; 19, 41-42).

3. Unterstützung der Allversöhnungslehre kommt zudem von der "liberalen Theologie". So haben die 570 Synodalen der "Kirche von England" im Juli 1996 dem Ergebnis einer Lehrstudie zugestimmt (beschlossen), dass es "keine Hölle" gebe.

Auf dem Kirchentag im Juni 2001 in Frankfurt äußerte sich Heinz Zahrnt in einer Bibelarbeit: Ähnlich wie die katholische und evangelische Kirche im Reich Gottes aufgehen, verhalte es sich mit den Religionen. Niemand würde sie als "nicht erlöst" bezeichnen wollen (IDEA 25/01).

4. Anmerkung zu den Schriftstellen, die zur Begründung der Allversöhnung herangezogen werden:

Apostelgeschichte 3,21: "Den muß freilich der Himmel aufnehmen bis zu den Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge".
Diese "Wiederherstellung aller Dinge" spricht nicht von einer schlussendlichen Versöhnung aller Menschen! Petrus bezieht sich auf die Wiederherstellung alles dessen, wovon die Propheten geredet haben. Und das vornehmlich im Blick auf Israel in Verbindung mit der damals aktuellen Frage in Kapitel 1,6. Übrigens wird in diesem Zusammenhang zur Buße aufgerufen (V.19 u. 26) und nicht etwa mit jenseitigen Erlösungsmöglichkeiten getröstet.

Römer 5,18-19: "Wie nun durch eines Sünde die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch eines Gerechtigkeit zum Leben für alle Menschen gekommen."
Wenn Paulus von der "einen Gerechtigkeit zum Leben für alle Menschen" spricht, dann darf "alle" nicht als Zahlwort absolut verstanden werden (wie an vielen anderen Stellen!). Es geht um eine vergleichende Gegenüberstellung, die in Vers 19 genauso das Wort "viele" verwendet. Dass die Rechtfertigung nur von den Glaubenden empfangen werden kann, präzisieren die Verse 1 und 2. Wer hier den Glauben ablehnt, gehört zu den Ungerechten, die das Reich Gottes nicht erben werden (1. Korinther 6,9).

Römer 11,32: "... damit er (Gott) alle begnadige" bezieht sich auf Gottes Heilsplan, der Israel und die Nationen (V.2526) einschließt. "Alle, die jetzt das Erbarmen Gottes erfahren, sind also alle zum Glauben gekommenen Heiden sowie das am Ende seinen Messias annehmende Israel. Der Vers lehrt also keine Allversöhnung aller Menschen, Engel und Mächte in zukünftigen Zeitaltern der Ewigkeit" (Dr. H. Stadelmann).

1. Korinther 15,22-28: Dass "in Christus alle lebendig gemacht werden", findet in Johannes 5,27-29 seine nähere Erläuterung: Die einen "zur Auferstehung des Lebens", die anderen "zur Auferstehung des Gerichts". Paulus geht es um die Königsherrschaft Christi. Daran werden alle teilhaben, die "ihm gehören". Seine Feinde dagegen werden "unter seine Füße gelegt". Nach diesem Triumph übergibt er das Reich dem Vater. Die Schrift kennt keinen Hinweis, dass diese "Kluft" zwischen Christus Angehörigen und seinen Feinden jemals überbrückbar wäre (Lukas 16,26). - Die gleiche endzeitliche Abfolge finden wir in Offenbarung 19-22, auch mit dem doppelten Ausgang für die Menschheit: Leben in Gottes herrlicher Gegenwart oder "der zweite Tod" im "Feuersee".

Epheser 1,10: "Bei der Erfüllung der Zeiten: alles zusammenzufassen in dem Christus". "In ihm hat das ganze All, Himmel und Erde, seinen Mittelpunkt ... Auch hier ist nichts gesagt von der Aussöhnung widerstrebender Mächte, der Wiederbringung oder Zurückgewinnung abgefallener Geister" (Theophil Rehse), sondern von der Ehren- und Machtstellung Jesu Christi.

Philipper 2,9-11: "Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekenne, daß Jesus Christus Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters."

Von dankbarer Anbetung und jubelnder Freude erlöster Menschen ist hier keine Spur zu erkennen. Klar wird jedoch, dass alle Geschöpfe Jesus als den erhöhten Herrn anerkennen. "Alle Mächte haben dann ausrebelliert." Dieses Bibelwort klingt "anders als die visionären Spekulationen des Württemberger Pietisten Michael Hahn, der ankündigte, dass am Ende der Feuersee sich immer mehr leeren werde, bis auch ... Luzifer in die Arme der ewigen Liebe sinkt." Das müsste man "in die Bibel erst hineinlesen" (Dr. H. Stadelmann).

Das Beugen der Knie findet vor dem Richterstuhl Christi statt. Die Quelle für das Bild von sich beugenden Knien ist vermutlich Jesaja 45,23-24: "Wendet euch zu mir und laßt euch retten, alle ihr Enden der Erde! Denn ich bin Gott und keiner sonst. Ich habe bei mir selbst geschworen, aus meinem Mund ist Gerechtigkeit hervorgegangen, ein Wort, das nicht zurückkehrt: Ja, jedes Knie wird sich vor mir beugen, jede Zunge schwören."

Das unterstreicht noch einmal die Tatsache, daß alle Knie sich nicht deshalb beugen, weil alle Menschen gerettet werden, sindern wie sie davor stehen, ihr endgültiges Urteil zu erfahren.

Kolosser 1,19-20: "... durch ihn alles mit sich zu versöhnen ... durch das Blut seines Kreuzes." Das ist die auf alle Menschen gerichtete, allen angebotene Versöhnung (2. Korinther 5,20). Empfangen wird sie aber nur von den Glaubenden (Verse 2 und 23). Der inhaltliche Paralleltext in 2,9-15 erklärt unser Wort näher: Der Ausgang der Weltgeschichte entscheidet sich" nicht erst in der Zukunft, sondern schon am Kreuz. Dort entscheidet sich das Heil und ... der Sieg Christi über die Mächte." Durch das "Heil einerseits und die Unterwerfung andererseits" wird erreicht, "dass das All versöhnt (verändert, neu geordnet) und alles unter ein Haupt, Christus, gebracht wird" (Dr. H. Stadelmann).

Eine Erlösung auch Ungläubiger in kommenden "Zeitaltern", die das Neue Testament an keiner Stelle zweifelsfrei erkennen lässt, müsste man auch hier erst hineintragen. Matthäus 12,31-32 unterstreicht das zusätzlich: "Deshalb sage ich euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden; aber die Lästerung des Geistes wird nicht vergeben werden. Und wenn jemand ein Wort reden wird gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden; wenn aber jemand gegen den Heiligen Geist reden wird, dem wird nicht vergeben werden, weder in diesem Zeitalter noch in dem zukünftigen."

1. Timotheus 2,4: Gott "will, dass alle Menschen errettet werden". Ja, aber er behandelt sie nicht wie Marionetten. Er respektiert ihre Willensentscheidung, auch ihr Nein; er nimmt sie als verantwortliche Persönlichkeiten ernst. Gott will ja auch nicht, dass wir in Sünde leben, und dennoch können wir es tun - und tun es auch de facto. Gottes Wille gilt - und dennoch setzt er ihn nicht gegen unseren eigenen Willen durch. Aus dem Willen Gottes zur Rettung aller Menschen zu folgern, alle Geschöpfe würden letztendlich gerettet werden, ist ein biblisch unbegründeter Rückschluß. Die Bibel macht unmißverständlich deutlich: Wie die zeitliche Entscheidung des Glaubens zum ewigen Heil führt, so führt die zeitliche Entscheidung gegen Christus auch zur ewigen Verlorenheit.

"Wenn wir dem ewigen Gott trotzen, wartet unser die ewige Pein der Gottesferne" (Michael Griffiths).

- Gott hat in seiner Liebe mit dem größten aller Opfer für unsere Erlösung gesorgt. Wenn er aber feststellen muss: "Ihr habt nicht gewollt", so machen wir Gottes gute Absicht "wirkungslos", und wir bleiben (!) unter seinem Zorngericht (Lukas 7,30; 13,34; Johannes 3,36). Und das wird nirgendwo (!) als eine begrenzte Gerichtszeit oder eine Art Läuterungsgericht beschrieben!

- Nicht zuletzt dämpft die Allversöhnung "den missionarischen Eifer, indem sie den Menschen andere Möglichkeiten des Seligwerdens nach dem Tod anbietet" (Prof. Dr. E.A. Wilder-Smith).

 

Zusammenfassung

o Gottes Liebe und Heiligkeit, seine Gnade und sein Gericht schließen einander nicht aus, sondern gehören in seiner göttlichen Person zusammen.

o Gott ist ein Gott der Liebe und hat daher für eine ewige Erlösung gesorgt, wer sie jedoch ablehnt, geht ohne Rettung in das ewige Verderben. o Wer zeit seines Lebens Gottes Einladung ausschlägt, kann nach dem Tod seine Entscheidung nicht mehr korrigieren.

o Das Wort "ewig" (aionios) im Blick auf Verdammnis und Hölle grundsätzlich nur als begrenzte Zeitspanne anzusehen, ist biblisch nicht zu begründen! Allein Matthäus 25,46 (vgl. Römer 16,26; Hebräer 9,14) verbietet diese willkürliche Auslegung.

o Wir tun der Bibel Gewalt an, wenn wir konstruieren, dass Paulus tiefere Erkenntnisse zuteil geworden seien, die die klaren Aussagen über die ewige, endgültige Verlorenheit - von Matthäus bis Offenbarung bezeugt - aufheben.

o "Die unbedingte Dringlichkeit des Heilsangebotes in dieser Zeit, jetzt, wird abgeschwächt, so dass der biblische missionarische Eifer nachlassen muss" (A.E. Wilder-Smith). Die Bibel lehrt: "Jetzt ist der Tag des Heils"; die Zeit der Gnade und Umkehr ist begrenzt (2. Korinther 6,1-2; 2. Petrus 3,9).

Warum eigentlich sollten wir daran deuteln?

[ 1 ] Der Autor, Manfred Klatt, war Reisebruder der Brüdergemeinden und ist heute im Ruhestand. Er wohnt mit seiner Frau in den neuen Bundesländern.




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Copyright © 2001 by Manfred Klatt. Alle Rechte vorbehalten. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung.
Dieser Artikel erschien zuerst in der Zeitschrift der Brüdergemeinden (Dillenburger Verlagshaus)
"Die Perspektive" Nr. 12/2001 - E-Mail: perspektive@christ-online.de
Für das Internet wurde der Artikel überarbeitet.
Dieses Papier ist ausschließlich für den persönlichen Gebrauch bestimmt.
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Ins Netz gesetzt am 18.12.2001; letzte Änderung: 19.06.2008
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